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Kindesmissbrauch: Erkennen, Helfen, Vorbeugen

Buch von Günther Deegener

Rezension einer Klientin:

Diese Besprechung entstand auf dem Hintergrund, dass ich selbst Betroffene bin. Allerdings wurde ich nicht in meiner Kindheit sexuell missbraucht, sondern als erwachsene Frau, in der Position einer Patientin zu ihrem Arzt/Therapeuten. Dieses Buch hat neben vielen Gesprächen einen großen Beitrag zur Bewältigung meiner Geschichte geleistet.

Unter sexuellem Missbrauch von Kindern versteht man jede Handlung, die an oder vor einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund seiner Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Die Missbraucher nutzen ihre Macht- und/oder Autoritätsposition aus, um ihre eigenen Bedürfnisse auf Kosten der Kinder zu befriedigen.

Für mich als Betroffene war es sehr wichtig, dass nach Einführung in das Thema durch vielfältige Statistiken, der Geschichte des sexuellen Missbrauchs und den gesellschaftlichen Hintergründen, im Mittelpunkt des Buches zunächst die Opfer stehen. Ich habe mich nach der langen Zeit des Schweigens in vielen Aussagen sowohl der Opfer, die immer wieder zitiert werden, als auch des Autors wiedergefunden.

Warum gibt es eine so hohe Dunkelziffer nicht nur im Bereich des Kindesmissbrauchs, sondern auch bei der Vergewaltigung von erwachsenen Frauen? Viele Opfer schweigen aus Angst den Missbrauch durch Provokation und durch eigenes Handeln herbeigeführt zu haben und dadurch selbst moralisch verurteilt und bestraft zu werden (Verlust von Familie, Freunden etc.). Ja, sie fühlen sich sogar mitschuldig und mitverantwortlich, da sie ungewollt sexuelle Erregung beim Missbraucher ausgelöst haben und dabei womöglich noch selbst angenehme körperliche Empfindungen hatten.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass oft zwischen Tat und "Geheimnisverrat" eine lange Zeit vergeht. Die Erkenntnis, missbraucht worden zu sein, und die damit verbundene Bewältigung stellt sich oft als schwierig heraus, da das Gespräch eine große Überwindung des Schamgefühls bedeutet. Der Autor versteht es mit vielen Beispielen die Folgen des Missbrauchs und die damit verbundenen Gefühle der Missbrauchten darzustellen. Die wichtigsten sind Angst vor Bedrohung oder vor bestimmten Menschen (z.B. Männern im Allgemeinen), Schlafstörungen/Alpträume, depressive Reaktionen, ein geringes Selbstwertgefühl, sozialer Rückzug (Kontaktschwierigkeiten), körperliche Reaktionen (z.B. Schmerzen, Erstickungsanfälle) und die immer wieder kehrenden Erinnerungen.

Bevor der Autor die Seite des Täters betrachtet, gibt er Hinweise zur Gesprächsführung mit den Missbrauchten. Der Kern hierbei ist: Das Opfer nicht als Zeugen zu verhören, sondern bei der Wahrheitsfindung die Bedürfnisse und Konflikte der missbrauchten Personen zu erfragen und dabei immer wieder klar zu machen: "Du bist nicht alleine und Schuld und Verantwortung liegen nicht bei dir!".

Meine eigene Geschichte konnte ich auch gut wiederfinden in der Schilderung der Täter. Sexuelle Missbraucher gehen mit einer gewissen Strategie vor: Sie suchen oft bestimmte Opfertypen, bauen eine "vertrauensvolle Freundschaft" auf, durch immer mehr Körperkontakt beginnt eine schrittweise Sexualisierung der Beziehung. Die Täter versuchen auch das Vertrauen nahestehender Personen der Missbrauchten zu gewinnen. Er nutzt die Bedürftigkeit des Opfers aus und schiebt ihm sogar noch eine "Mitschuld" zu, in dem er verschiedene Behauptungen aufstellt, wie z.B.: "Du hättest doch schon am Anfang nein sagen können!" oder "Du hast dich ja nicht gewehrt!". Dies wird auch noch durch Geschenke unterstützt. In vielen Fällen wehrt der Missbraucher nach erfolgter Anzeige die Verantwortung ab. Er will durch bewusstes Lügen, sein positives Bild in der Öffentlichkeit wahren. Das Bild der Geschichte wird verzerrt, indem das ganze z.B. als Verhältnis dargestellt wird.

Im abschließenden Teil des Buches schildert der Autor mögliche Maßnahmen zur Vorbeugung des sexuellen Missbrauchs von Kindern: sozialpolitische Forderungen, Präventionsprogramme für Kinder im Erziehungsalltag, in Kindergarten und Schule. Abschließend finden Betroffene Hilfen zur Anzeigenerstattung, eine Aufklärung über die Rechte und Pflichten von Eltern und Kindern sowie eine ausführliche Liste von Anlauf- und Beratungsstellen.

(Ende der Buchbesprechung)

Zehn Monate später schrieb die Klientin folgendes zu ihrem Klärungs- und Bewältigungsprozess. Ausgangspunkt paartherapeutische Beratung zu suchen war seinerzeit ein "endgültiger Zusammenbruch".

 

Mein Weg der Heilung

Mein endgültiger Zusammenbruch war die Folge einer Zeit der Überforderung durch meine Familie und des Schweigens über eine Geschichte, die ich vor 5 Jahren erleben musste. Mein Hausarzt hatte mir Hilfe angeboten, als ich mit meinen Kräften wieder mal am Ende war. Seine sogenannte Hilfe endete damals im sexuellen Missbrauch. Jahre später ruft ihn mein Mann zur ärztlichen Hilfe, als ich den Zusammenbruch hatte. Und dieser Arzt steht jetzt plötzlich nach Jahren in meinem Schlafzimmer und will mir wieder helfen. Ich reagiere schreiend und werfe ihn lautstark hinaus, nehme aber seine Hilfe in Form von Tabletten an.

Im anschließenden Gespräch mit meinem Mann erkläre ich ihm durch wage Andeutungen den Grund meiner Reaktion, über das was vor einigen Jahren geschehen war. Als Ergebnis unseres Gespräches entschlossen wir uns, eine gemeinsame Therapie zu machen. Mein Mann nahm dann Kontakt mit unserem späteren Therapeuten auf und wir hatten unser Erstgespräch.

Trotzdem es ein männlicher Therapeut ist, hatte ich vom 1. Treffen an Vertrauen und ein gutes Gefühl, zusammenarbeiten zu können. 4 Wochen später fuhren wir zu einer 1. Gruppentherapie im Rahmen eines paartherapeutischen Basisseminars. In dieser Woche bleibt meine Geschichte des sexuellen Missbrauchs fast unberührt. Doch ich lerne und erkenne, in welcher Enge wir als Paar leben und schaffe es, einen Teil Ballast aus meiner Kindheit abzuwerfen: Ich spüre, welche Lebendigkeit in mir steckt.Ein weiterer wichtiger Schritt ist, dass ich mich soweit besser fühle, dass ich keine Tabletten mehr brauche.

Wieder zu Hause stürze ich mich in meine Geschichte des Missbrauchs. Endlich kann ich davon erzählen, auch wenn ich mich zunächst wie eine Verräterin fühle, denn dieser Arzt hatte mir auferlegt, das Geheimnis zu bewahren. Ich male die Bilder, die mich in meinen Träumen quälen, ich versuche das Schuldgefühl abzulegen, unsere Beziehung zerstört zu haben; in vielen Gesprächen mit dem Therapeuten wird mir immer klarer: ich wurde missbraucht. Das obige Buch, dass ich mehrmals lese, lässt mich mein Erlebtes begreifen. Im Rahmen eines Paarseminars zum Thema "Lebendigkeit, Sinnlichkeit und Sexualität" breche ich auch das Schweigen gegenüber anderen und berichte von meinem Missbrauch. Ich erfahre auch an diesem Wochenende, dass ich mich als Frau versteckt habe, verstecken musste. In den nächsten Monaten entdecke ich zunehmend, wie schön es ist, eine Frau zu sein.

Doch zunächst falle ich immer wieder in tiefe Löcher: Die schrecklichen Bilder des Missbrauchs verfolgen mich, aber auch die erlebten, positiven körperlichen Gefühle lassen mich nicht los. Ein rechtliches Vorgehen gegen diesen Arzt muss mangels "objektiver Beweise" wieder verworfen werden.Ich versuche nicht mehr jeden Tag meines Lebens als Kampf mit mir, meinem Mann, meinen Kindern und der Großfamilie zu sehen, sondern zu einer Leichtigkeit zu kommen und Dinge für mich zu tun. Es macht mir wieder Freude, Sport zu treiben und ohne meine Familie auszugehen.Inzwischen habe ich auch engen Freunden von meinem Missbrauch erzählen können und bin dabei nicht wie befürchtet auf Anklagen oder Ablehnung gestoßen, sondern auf sehr viel Mitgefühl. 2 Wochen intensives Paarseminar mit den Schwerpunkten "Autonomie und Zweisamkeit" bringen mich und uns als Paar viele Schritte weiter.

Wir erleben uns beide in einer wohlwollenden Gruppenatmosphäre mit unseren Kindern. Wir genießen die Zeit zusammen als Paar und als Familie, aber wir können auch sehr gut einander eigene Wege und voneinander unabhängige Erfahrungen machen lassen. Wir erleben uns neu und spüren, welche Liebe uns verbindet ohne zu fesseln. Ich erfahre, welch starke und attraktive Frau ich bin.

In der Gruppe von dem Missbrauch zu erzählen, fällt mir nicht mehr so schwer. Es wird mir aber zugleich klar, dass es über den Missbrauch hinaus zu Gewaltanwendung und damit auch zu einer Vergewaltigung gekommen ist.

Viele Gedankenanstöße haben mich über das Seminar hinaus beschäftigt und haben bereits zu Verhaltensänderungen geführt, die unser Zusammenleben verändern. Andere Fragen sind offen geblieben und ich werde in den nächsten Monaten/Jahren vielleicht Antworten finden.

Doch sicher ist, dass ich es in diesem ersten Jahr intensiver Arbeit geschafft habe, mein Leben besser in den Griff zu bekommen.

(Name der Autorin ist Dr. Rudolf Sanders bekannt)


Taschenbuch: 290 Seiten
Verlag: Beltz; Auflage: 3. A. (Mai 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3407228848
ISBN-13: 978-3407228840
Preis: € 12,90

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