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Lieber mit dem alten Partner etwas Neues, als mit einem neuen Partner wieder das Alte!

Beziehungsprobleme verstehen – Partnerschaft lernen.
Partnerschule als Kompetenztraining in Ehe- und Familienberatung

Buchbesprechung

Dr. Traugott Schall, Ehrenpräsident der DAJEB

Rudolf Sanders, der Autor des vorliegenden Buches ist unter den entsprechenden Fachleuten und Praktikern kein Unbekannter. Auf Tagungen und in Vorträgen hat er seine „Partnerschule“ einem weiten Kreis von Interessierten bekannt gemacht. Das aus der Pädagogik und Erwachsenenbildung herkommende Konzept hat sich als wichtige Ergänzung der schwerpunktmäßig psychologischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung erwiesen. Die  nunmehr vorliegende gründliche Darlegung ist darum folgerichtig und sinnvoll.

Das Buch gliedert sich ganz klar in zwei Teile. Auf den Seiten 10 – 151 schildert der Autor zunächst „Ausgangslage und Hintergründe“. Gründlich, genau und wissenschaftlich fundiert berichtet er über die Situation von „Menschen in unserer Zeit“ (S. 23ff).

Er legt eine „Idee vom Paar“ dar (S. 52ff.), beschreibt „Probleme im Zusammenleben als Ausgangslage für Entwicklungsprozesse (S. 101ff.) und erörtert ausführlich „Störungen der Kommunikation und Interaktion“ (S. 74 – 99).

Dieser erste Teil des Werkes zeigt sich wie ein Lehrbuch zeitgenössischer Ehe und Ehe­pro­blematik. Fachkräfte und interessierte Laien werden immer wieder Anregungen und förderliche Aspekte für ihr Leben bzw. ihre Arbeit finden. Der Autor entwickelt hier den ersten Teil seines Buchtitels. Er legt sein Verständnis von Beziehungsproblemen dar und will anleiten, solche Probleme zu verstehen.

Der Autor ist um hohe Sorgfalt und wissenschaftliche Fundierung bemüht. Das hat zu Folge, dass seine Ausführungen gelegentlich unter einer erheblichen Abstraktion leiden. So stellt der Autor beispielsweise „Psychische Grundlagen einer partnerschaftlichen Ehe“ zwar kurz und prägnant dar, das Gemeinte aber muss jedoch in seiner Lebensnähe erschlossen werden. Kenner älterer und klassischer Literatur werden sich an Don D. Jacksons Aufsatz „Familienregeln: Das eheliche Quid pro quo“ (1968) erinnert sehen. „Es gibt nichts umsonst.“ Das könnte in einer neuen Auflage lebensnäher formuliert werden.

Die theoretischen Ausführungen des Autors sind aktuell und vermeiden jegliche kulturelle Verzögerung von Erkenntnissen. Als Beispiel dafür mag die Berücksichtigung der empirischen Arbeiten von Klann und Hahlweg (1994 – 2002) gelten, auf die der Autor sich immer wieder bezieht. Ganz auf der Höhe der Zeit will sich der Autor augenscheinlich auch in Kap. 6 bewegen: „Von der Vorherrschaft des Mannes zum Modell der Partnerschaft zwischen Frau und Mann“. Hier begnügt sich der Autor mit der Schilderung der formalen Verhältnisse zwischen den Geschlechtern. Dass die innerfamiliaren Verhältnisse zwischen Frau und Mann den formalen äußeren auch in der Vergangenheit keineswegs immer entsprachen, wird übersehen. War in der Geschichte die „Nähefrage“ möglicherweise durch Konventionen ausgeblendet. Die „Machtfrage“ musste sicher immer beantwortet werden. Die Partnerschule selbst ist Beweis dafür, dass juristische Regelungen in der Praxis eines Paares auch heute wenig bewirken. Lehars Zauber triumphiert: „Doch wie es drinnen aussieht, geht niemand etwas an!“ Die steigende Zahl informeller, nicht geschlossener Ehen belegt das deutlich.

Erfreulich und hilfreich sind die jeweils auch herausgehobenen Zusammenfassungen am Ende eines jeden Kapitels.

Als eigentlicher Schwerpunkt und auch Kaufgewinn muss der zweite Teil des Buches gelten: „Partnerschule in der Praxis“ (S. 153 – 268).  Wer sich durch den ersten Teil des Buches hindurchgearbeitet hat, dem mag es gehen wie im Märchen vom Schlaraffenland. Wer sich durch den Reisberg hindurch „gefressen“ hat, der hat es geschafft und wird gewissermaßen „reich belohnt“.

Der Autor beginnt mit der Darstellung eines Paarinterviews zur Beziehungsgeschichte des Paares. Was für die Partnerschule als eine Art Kur der Beziehung aus Gründen der begrenzten Zeit unabdingbar ist, wird auch für den „ambulanten“ Praktiker hilfreich sein. Fachkräfte in den Beratungsstellen erhalten hier – quasi nebenbei – einen Leitfaden für eine gründliche  Anamnese der Beziehung. Ein in Grundzügen dargestellter Fragebogen von Klann und Hahlweg macht neugierig, ihn anzuwenden.

Der Autor stellt sodann die drei Seminarformen seiner Partnerschule detailliert vor. Grundlage ist ein Basisseminar von 40 – 60 Stunden. Es hat das innere Ziel: „Anleitung zur Selbsthilfe“. Jeder der sieben geplanten Seminartage wird ausführlich vorgestellt und beschrieben. Einzelne Übungen wie z. B. die Phantasiereise oder das Arbeiten mit Ton werden so vorgestellt, dass sie von anderen Seminarleitern nachvollzogen werden können. Der Autor kommentiert sein Vorgehen und leitet so zur vorbereitenden und nachbereitenden Reflexion an. Fachkräfte mit Gruppenerfahrung werden so ermutigt und angeleitet, ein solches Seminar selbst durchzuführen.

Ein zweiter Teil seiner Partnerschule ist ein „Aufbauseminar“ mit dem Thema: „Lebendigkeit, Sinnlichkeit und Sexualität“. Dies Seminar ist in drei Wochenenden (oder vergleichbare Zeitabschnitte) jeweils von Freitagabend mit Sonntagabend gegliedert. „Der Körper als Ausgangspunkt der Lebendigkeit“, „Phantasien als Wegweiser lebendiger Sexualität“ und „Inte­gration gegengeschlechtlicher Anteile“ werden als Themen dieser drei Teile genannt. Auch hier gibt der Autor Rechenschaft über sein Vorgehen und Anleitung für andere. Die vielfältigen Störungen sexueller Appetenz und einer erfüllten Liebesbeziehung sollen in diesen Seminarteilen benannt und gemildert, wenn nicht gar behoben werden. Die Bezeichnung „Aufbauseminar“ deutet dabei an, dass es sicher günstig ist, wenn Seminarteilnehmer schon eine vertrauensvolle Beziehung zum „Schulleiter“ und seiner Cotrainern entwickelt haben. Auch diese Darstellungen geben den „ambulanten“ Fachkräften eine Fülle von Anregungen – selbst, wenn sie ein solches Seminar nicht durchführen (können).

Das zeitlich umfassendste Angebot macht der Autor in einem vierzehntätigen „Paarkibbuz“, konkret in einem zweiwöchigen „paar- und familientherapeutischen Seminar“. Wie nicht anders möglich, gibt er Autor hier lediglich Hinweise und Anregungen. Sie deuten daraufhin, dass der „Paarkibbuz“ im Kern eine stationäre Beratung ist und alle förderlichen Interventionen aus der Paarberatung oder dem systemischen Arbeiten tunlichst Anwendung finden können – und sollen. Fachkräfte aus eher ländlichem oder kleinstädtischem Umfeld werden vermutlich mit leicht resignierter Sehnsucht daran denken, dass eine solche Veranstaltung im überschauabaren Umfeld kaum möglich ist. Das schmälert Idee und Anliegen nicht. Der Autor will ganz offensichtlich Mut machen, so etwas einmal zu beginnen.

Der zweite Teil des Buches ist Fundgrube und Anteilung zur Praxis zugleich. Ein gelegentlich geringerer Aufforderungscharakter in der Darstellung wird durch die Fülle des angebotenen Materials ausgeglichen. Wer sich über Idee und Konzept der „Partnerschule“ informieren möchte, ist gut bedient.

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