Partnerschaft lernen
Partnerschule als Kompetenztraining in Ehe- und
Familienberatung
Junfermann (Paderborn) 2006 ISBN: 3-87387-635-3
Dr. Rudolf Sanders ist bei
der DAJEB kein Unbekannter, hat er doch 2004 im Rahmen der Jahrestagung zum
Thema Partnerschaft einen Vortrag zum Thema Beziehungskompetenz gehalten, der
bei vielen Beraterinnen und Beratern ein großes Interesse an der Partnerschule
ausgelöst hat. Nun ist das dritte Buch zu diesem Thema erschienen und mir kam
beim durchstöbern als erstes der Gedanke „Alter Wein in neuen Schläuchen“ – und
das meine ich als leidenschaftlicher Weintrinker durchweg positiv, denn
ausgereifte Produkte sollten in einem Gefäß gelagert werden, dass die Ware gut
schützt, langlebig macht und zeitgemäß präsentiert.
Das ist mein Eindruck von
diesem Buch: der rund-erneuerte Schlauch bettet das Konzept Partnerschule in
drei aktuelle Zusammenhänge und zeigt dadurch mehr Profil: eine soziologische Bestandsaufnahme der
Situation von Paaren, der Rollenbilder und veränderter Werteorientierung, die
neurobiologische Perspektive mit Hinweisen auf die Wirkung von persönlichem
Lernen, psychologischer Beratung und zwischenmenschlicher Kommunikation
sowie ein Evaluationskonzept, das die
Wirksamkeit und Überprüfbarkeit des Konzepts im Blick hat.
Die Veröffentlichung
beinhaltet einen konzeptionellen Teil, der viel Anregungen liefert, die Arbeit
mit Paaren in einen passenden Rahmen für ressourceorientierte Veränderung und
Beziehungskompetenz zu stellen. Der zweite Teil gibt ausführlich Einblick in
die praktische Arbeit mit Paaren in gruppenorientierten Settings – angefangen
von dem Erstkontakt bis hin zur Wirksamkeitsprüfung am Ende der Begleitung.
Erfreulich finde ich auch,
dass der Blick nicht auf die reine Paarsituation fokussiert bleibt, sondern -
wenn auch vielleicht etwas knapp - die familiendynamische Perspektive mit
integriert wurde und die Beziehungsgestaltung des Paares auf die
Beziehungsperspektive zu den Kindern hin ausgeweitet wird.
Das Beratungskonzept von
Rudolf Sanders sehe ich als ein chancenreiches und wirksames Modell moderner
Paar- und Familienberatung. Dabei gibt es zwei Axiome, die im Buch zugrunde gelegt
sind und die ich als Voraussetzung für den Erfolg der Arbeit sehe: „Besser mit
dem alten Partner etwas Neues als mit einem neuen das Alte (R. Sanders); und
„etwas Positives hinmachen ist für den Therapieerfolg wichtiger als etwas
Negatives weg machen“ (Klaus Grawe). Diesen beiden „Glaubenssätzen“ sollten
sowohl Beraterinnen und Berater wie auch Ratsuchende zustimmen können, um das
Konzept erfolgreich zu durchlaufen.
Spannend bleibt für mich die
Frage, wie das Konzept strukturell und ökonomisch in der Ehe- Familien- und
Lebensberatung integriert werden kann, ob es im Kontext der institutionellen
Beratung verwirklicht werden kann oder eher im Setting der Selbständigkeit
Anwendung finden wird. Würde in der Gesellschaft das Thema
„Beziehungskompetenz“ eine solche Präsenz bekommen wie derzeit die
Erziehungskompetenz in den Medien, so würde das Modell Partnerschule von Rudolf
Sanders sicherlich einen ersten Platz belegen.
Stefan Schumacher DAJEB