Jahrestagung www.dajeb.de
21.04.2004 Bonn
Rudolf Sanders
Zunächst
einmal ist es wichtig zu erwähnen, dass meine Erfahrungen von 13 Jahre
kirchlicher Erwachsenenbildung mit den Schwerpunkten Ehevorbereitung und
Ehebegleitung, mehr als 20 Jahre Gruppenleiterausbildung bei den Pfadfindern
(DPSG) einen großen Einfluss auf die Gestaltung meiner Arbeit in der Beratung
gehabt haben. Dort habe ich zum Beispiel Ende der achtziger Jahre das EPL
kennen und schätzen gelernt, bzw. die Bedeutung einer Gruppe als Trainingsfeld
für partnerschaftliches Miteinander.
Die
Zeiten ändern sich! Öffentliche Träger steuern um von einer Input orientierten
Förderung hin zu einer Output orientierten, das heißt an einer Förderung, die
sich an zu erreichenden Zielen orientiert (NRW 2004).
Schauen
wir in die Medien, so gibt es in Bezug
auf unseren Arbeitsbereich zwei wichtige Themen:
Die
jährlich neuen Scheidungsrekorde mit der Folge, dass neben Arbeitslosigkeit in
2003 Trennung und Scheidung die Gründe zur Verarmung von Familien waren. Und
zum Zweiten die sinkende Geburtenzahl, die die Sicherung unserer sozialen
Systeme in Frage stellt.
Unsere
Antwort als Ehe- und Familienberatung könnte darauf lauten:
Ø Durch
Paarberatung vermitteln wir Beziehungskompetenzen, die den Partnern
ermöglichen, ihr System Ehe und Familie als Zugewinngemeinschaft - und das
weniger im finanziellen Sinne - für alle Beteiligten, einschließlich ihrer
Kinder, zu gestalten.
In
meinem Vortrag folge der ich den Schritten: Sehen, Urteilen und Handeln.
Genau
Hinsehen: Wie ist die Situation der Ratsuchenden, die bei uns „auf der Matte“
stehen?
Urteilen:
Welche Empfehlungen zu dieser Situation gibt uns die empirisch begründete
wissenschaftliche Forschung?
Handeln:
Wie könnte ein Handeln aussehen, dass auf diesem Sehen und Urteilen gründet?
Die
Unsicherheit in der Gestaltung von Beziehungen, das Vermeiden Wollen der negativen Folgen von Trennung
und Scheidung führt viele Menschen in eine Ehe-, Partnerschafts- und
Familienberatungsstelle. Offensichtlich besteht ein großer Wissensdurst nach
Antworten darauf, wie genau man das Leben meistern kann, was richtig und was
falsch ist, welche Kompetenzen man heute
braucht, um Beziehungen gelingen zu lassen.
2) Menschen der
Postmoderne
Menschen
unserer Zeit - wie Du und Ich - sind eingebunden in ein gesellschaftliches
System, das oftmals ganz subtile Zwänge ausübt. Da ist zunächst einmal ist die Individualisierung zu nennen. Sie hat
jedem Einzelnen die Möglichkeiten zu Autonomie, Emanzipation und Freiheit im
weitesten Sinne gebracht.
Die
Ursprünge dieser Individualisierung sieht Elias
in einer Wandlung der „Ich-Wir-Balance“ (1987), als deren Ergebnis Menschen nun
als „Wir-lose Ichs“ (a.a.O. S. 273) leben. Lag früher die Balance, insbesondere
in den sog. Stammes- und Standesgesellschaften, vor allem auf der
„Wir-Identität“, so verlagerte sie sich seit der Renaissance immer mehr zur
„Ich-Identität“. Seit für den einzelnen Familie und Sippe nicht mehr die
Überlebenseinheit bilden, kann er sich dem Wir „ohne Einbuße von physischen
oder sozialen Überlebenschancen“ entziehen (Elias, S. 271). Extrem deutlich
wird dies im Begriff des DINK (Double
Income No Kids), dem Paar, das
sich bewusst gegen Kinder und die damit verbundenen Mühen und Kosten
entscheidet, um intensiv dem Freizeitkonsum zu frönen. Gaschke
bringt diese Haltung auf den Punkt, wenn sie in ihrem Leitartikel auf der
Titelseite der Wochenzeitschrift Die Zeit
vom 14. August 2003 schreibt: „Wo sind die Kinder? Im Land der Egoisten: Kein
Nachwuchs, keine Rente.“
Der
von Elias beschriebene Prozess der Balanceverlagerung kann aber nicht als
linear und „fortschrittlich“ interpretiert werden. Er führt zu einem „Grundkonflikt des Wir-losen Ichs: ein Verlangen nach
Gefühlswärme, nach affektiver Bejahung anderer Personen und durch andere
Personen gepaart mit dem Unvermögen, spontane Gefühlswärme überhaupt zu geben“
(Elias S.273).
Ein
weiterer Grundkonflikt, den Menschen unserer Tage ausgesetzt sind, ist der „der
Kolonialisierung der Lebenswelt“
(Habermas 1985). Wir besitzen zwar die Freiheit, aber machen folgende
Grunderfahrung: Man kann sich nicht mehr auf eine kollektive Sinnstruktur, die
alles deutet, verlassen, sondern man steht einem Überangebot an Sinn gegenüber,
das den Einzelnen tendenziell überfordert. So wird es immer schwieriger, eine
Werthierarchie aufzubauen. Es gibt Menschen, die sich vor lauter Möglichkeiten
des Lebens nicht mehr für ein bestimmtes eigenes Lebenskonzept entscheiden
können. Kaufmann stellt dazu fest: „Wir haben es so herrlich weit gebracht,
dass die Ordnungsleistungen archaischer Religionen, welche auch die gesellschaftliche
Verfassung des Christentums bis in die Neuzeit hinein bestimmten, kollektiv
entbehrlich geworden sind und nun vom Individuum auch entbehrt werden müssen“
(1988, S. 79).
Die
Schwierigkeit der Entscheidung für oder
gegen etwas wird dem Einzelnen durch die Mechanismen des „(Konsum)Marktes“,
durch „Invasionen“ abgenommen. Reklame, Werbespots, Reisebüros in jedem
Supermarkt, die kleinen und großen Dinge des Alltags, die man kauft oder
geschenkt bekommt, aber eigentlich nicht braucht....., all dies verführt den
Einzelnen im Konsumrausch, Dinge zu tun, die sich eigentlich gegen ihn selbst,
zumindestens aber gegen seine Mit- und Nachwelt richten. „Mc. Fleischklopse
sind einfach gut“ schallt es aus dem Radio, und die Melodie speichert sich ab
in unserem Unterbewussten. So bedingt der steigende Fleischkonsum
Massentierhaltung mit ihren bekannten negativen Folgen (BSE, Brotgetreide als
Futter in der Massentierhaltung....). Oder das Ausgebranntsein („burn out“) im
Beruf führt nicht zur Arbeitsteilung mit Arbeitslosen, stattdessen suggeriert
der Werbespruch „Reif für die Insel“ die schnelle Erholung - aber dass die
gestiegenen Flugreisen zu den Massenozonkillern gehören, wird verdrängt. Auf
diese Weise werden immer mehr Lebenswelten des Einzelnen zu einer „Kolonie“ von
Konzernen.
Die
gesellschaftlich fortschreitende Beherrschung
der Natur durch Wissenschaft und Technik führt auch zu lebensbedrohlichen
Formen, wie z.B. möglichen Gefahren durch Kernenergie, Gentechnik oder
militärisch genutzte biologische Kampfmittel. Die Technokratisierung hat sich
auch auf andere Lebensbereiche, wie die Gestaltung des Arbeitsplatzes, des
Wohnumfeldes, der Nachbarschaft etc. ausgewirkt. Folgen davon sind auch im
Gestalten menschlicher Beziehungen untereinander spürbar. So führen die
Situation am Arbeitsplatz, die Angst vor Arbeitslosigkeit nicht selten zu
verstärkter Abschottung der Menschen gegeneinander. Vormalige Solidaritätsstrukturen sind aufgebrochen und verweisen
das Individuum auf sich selbst zurück. Gelebte Solidarität in unterschiedlichen
Bezugssystemen, etwa den Arbeiterorganisationen oder den kirchlichen Vereinen,
hat massiv an Bedeutung verloren. Als Folge davon leben z.B. Paare - aufgrund
der beruflich notwendigen Mobilität - nicht in ihrer angestammten Umgebung,
haben wenig Kontakte mit anderen Paaren, vereinzeln und entbehren stützender sozialer
Netze. Außerdem wirken sich Eigenschaften, die u.U. im „Berufskampf“ zur
Existenzsicherung in unserer Leistungsgesellschaft notwendig sind, wie: Konkurrenzkampf,
Rücksichtslosigkeit, Taktieren, Misstrauen, Gefühlskälte etc. auf die Beziehung
zum Partner äußerst negativ aus.
Weiterhin
entbehren viele Menschen durch einen übermäßigen Medienkonsum ursprüngliche Erfahrungen: z.B. wird der Wald nicht
mehr auf einer Wanderung, sondern über das Medium Fernsehen vermittelt. Das
gleiche gilt dann auch für das Erleben zwischenmenschlicher Beziehungen. Statt
nachbarschaftliche Kontakte zu pflegen, mit Freude, mit Streit, aber auch mit
Solidarität, werden diese Qualitäten „aus zweiter Hand“ via Fernsehkanal oder
Video in „Seifenopern“ vermittelt.
Vormalige
Solidaritätsstrukturen sind aufgebrochen und verweisen das Individuum auf sich
selbst zurück. Gelebte Solidarität in unterschiedlichen Bezugssystemen, etwa
den Arbeiterorganisationen oder den kirchlichen Vereinen, hat massiv an
Bedeutung verloren.
Wir
stoßen auf ein Übermaß an Sinnangeboten - einer „Werteinflation“ -, fest. Diese
Werteinflation führt zu Verunsicherungen. Z.B. ist heute die Situation des
Zusammenlebens von Frau und Mann geprägt von einer Fülle gesellschaftlich
akzeptierter verschiedener familiärer Lebensformen, wie etwa dem Leben als
Single, dem Zusammenleben ohne Trauschein oder in der Ehe mit oder ohne Kinder.
Leitidee für das Zusammenleben als Paar ist die der Partnerschaft. Viele
Menschen sind aber aufgrund mangelnder Modelle für das Zusammenleben als Mann
und Frau in Form der Partnerschaft, aber auch wegen konkurrierender Modelle der
Lebensformen oftmals überfordert, für ihr Leben eine passende Entscheidung zu
fällen und diese auch in die Tat umzusetzen.
Bevor
ich nun auf die Wünsche der Ratsuchenden eingehen will, möchte ich die
Gelegenheit nutzen einem Mann zu danken, der heute unter uns ist, auf dessen
Initiative hin und seinem langen Atem wir es überhaupt zu verdanken haben, dass
wir recht präzise Aussagen dazu machen können. Es ist dies Dr. Notker Klann. Er
hat seit mehr als 20 Jahren für die empirische Fundierung unserer Arbeit
gesorgt, indem er die Wissenschaft in Form der Universitäten, die Mitglieder
des Deutschen Arbeitskreises, die Praxis in Form von Beratungsstellen und das
Familienministerium zu einem sehr fruchtbaren Synergieprozess zusammengeführt
hat. Mit Recht kann man ihn als Vater der Beratungsbegleitend Forschung
bezeichnen.
3) Die Wünsche der
Ratsuchenden
Vor
kurzer Zeit erschien eine wichtige Untersuchung zu der Erwartungen, die
Ratsuchende an Ehe und Familienberatungsstellen haben (Saßmann & Klann
2002). Mit manchen der Ergebnisse hatte so eigentlich niemand gerechnet:
Ratsuchende erwarten mehr Hilfestellung und solidarische Unterstützung im nahen
sozialen Umfeld! Von den befragten Klienten von Ehe-, Familien- und
Lebensberatungsstellen wünschten sich z.B. 89% mehr Kontakt zu Freunden und 59%
äußerten, mehr Kontakt zu Nachbarn haben zu wollen. Obwohl also Ziele und
Kontaktwünsche existieren, lassen sie sich scheinbar nicht realisieren. Zu 61%
(!) gaben sie an, bereit zu sein, sich in Selbsthilfegruppen zu engagieren.
Das Ausmaß an erwünschter Unterstützung lag in allen Bereichen weit über der
Einschätzung, die die ebenfalls befragten Stellenleiter von Ehe-, Familien- und
Lebensberatungsstellen bezüglich des Unterstützungsbedarfs abgegeben hatten
(a.a.O. S. 103).
4) Was nun wünschen
sich Politiker?
Angesichts
ständig steigender Scheidungen mit den nicht unerheblichen Folgekosten - neben
Arbeitslosigkeit waren 2003 Trennung und Scheidung der Grund für Verarmung der
Familien von Familien! - wünschen diese sich, dass Eltern kompetent werden, das
System Familie zu gestalten. Diese Kompetenz soll möglichst durch Prävention,
etwa in Form von Elternschulen wie Triple P (M.R. Sanders 1999), durch
Vernetzung verschiedener Träger wie etwa Beratungsstellen, Jugendamt,
Familienbildungsstätten erreicht werden (NRW 2004). Und diese
Kompetenzvermittlung an Familien soll nach dem Suffizienz Prinzip geschehen,
das heißt, dass mit dem geringsten Aufwand das größte mögliche Ergebnis erzielt
wird.
5) Diagnostik
Seit
Anfang der neunziger Jahre ermöglicht die Beratungsbegleitende Forschung (Klann
& Hahlweg 1994, Klann 2002) ziemlich genaue Angaben darüber, welche und welche
Art von Problemen Paare in die Beratung mitbringen.
Im
Durchschnittsalter sind die Ratsuchenden Ende 30. Knapp 80% von tragen als
Eltern für Kinder Verantwortung . Betrachtet man einmal, wie wichtig für die
seelische und körperliche Gesundheit - sehr eindrucksvoll dokumentiert durch
die Säuglingsforschung, Traumaforschung und neurobiologischen
Forschungsergebnisse der letzten Jahre (Papousek, M. & Papousek, H.
1981,1982,1990, Huber 2003, Bauer 2002) - die Atmosphäre ist, in der Kinder
aufwachsen, so wird daran deutlich, welch hohen Stellenwert
Partnerschaftsberatung für das Wohl der Gesellschaft hat. Denn es ist das
Binnenklima zwischen Mann und Frau, die Art des miteinander Umgehens, die genau
diese Atmosphäre im häuslichen Rahmen prägt. Aus genau diesem Grund hat der
Rechtsgeber die Beratung nach §17 des KJHG zum Rechtsanspruch für Eltern
gemacht. Die Beratung soll ihnen helfen, partnerschaftliches Zusammenleben in
der Familie aufzubauen, Konflikte und Krisen in der Familie zu bewältigen und
im Falle der Trennung oder Scheidung die Bedingungen für eine dem Wohl des
Kindes oder des Jugendlichen förderlicher Wahrnehmung der Elternschaft zu
ermöglichen (Barabas 2001).
Ein
wichtiger Teil der Diagnostikbatterie ist die Problemliste. Sie ist geeignet, typische Partnerschaftsprobleme
und/oder Problemkonstellationen bei Paaren zu erfassen und abbilden zu können.
In einer vorgegebenen Liste mit 23 Problembereichen geben die Ratsuchenden an,
ob sie in diesem Bereich keine Konflikte beziehungsweise Konflikte mit
erfolgreichen Lösungen haben oder auf der anderen Seite, ob es keine Lösung und
häufig Streit darüber gibt bzw. Konflikte und die Unfähigkeit darüber zu
sprechen. Interessant an dieser Liste ist, dass über einen Zeitraum von fast 25
Jahre keine Änderungen in der Rangreihe der Häufigkeit der qualitativen
Gewichtung der einzelnen Konfliktbereiche festzustellen ist. So sind die
Bereiche: Zuwendung des Partners (65%), Sexualität (64%),
Kommunikation/gemeinsame Gespräche (59%), Forderungen des Partners (57%), fehlende
Akzeptanz/Unterstützung des Partners (54%) die Hauptthemen die Paare eine
Beratung aufsuchen lassen. Der Bereich „außereheliche Beziehungen“ wird erst an
19. Stelle genannt! (Klann 2002, S.98).
Die
Bedeutung des Binnenklimas als Ausgangspunkt eine Beratung aufzusuchen wird
auch durch die Ergebnisse des Fragebogens
zur Einschätzung von Partnerschaft und Familie bestätigt. Dieser misst mit
120 Fragen auf verschiedenen Skalen Themenfelder, die eng mit Ehe und
Partnerschaft verknüpft sind. So sind die Ratsuchenden in den Bereichen
„Globale Zufriedenheit mit der Partnerschaft“, „Affektive Kommunikation“,
„Problemlösekompetenz“, „Gemeinsame Freizeitgestaltung“ und „Sexuelle Zufriedenheit“
im Vergleich zu zufriedenen Paaren signifikant unzufriedener. Im Bereich der „Finanzplanung“
bzw. der „Einschätzung der Ehezufriedenheit der Eltern“ unterscheiden sie sich
nicht von anderen Paaren.
Unter
einer klinisch relevanten Depression
leiden zum Beginn der ersten Messung und 42% der Frauen und 32 % der Männer.
Eine andere Bezeichnung für Depression ist die von der „erlernten
Hilflosigkeit“. Und diese Bezeichnung führt uns zu einer weiteren wichtigen
Untersuchung, einer EMNID Studie aus dem Jahr 2002 (Saßmann & Klann 2002).
Darin
wurde deutlich, dass nicht wenige Ratsuchende in vielfältiger Hinsicht durch
den Erziehungsstil in ihrer Herkunftsfamilie belastet sind. 49 % bezeichneten
die Erziehung durch ihre Eltern als sehr streng (18% NB = Normalbevölkerung),
43 % wurden von ihren Eltern nur dann geliebt, wenn sie sich so verhielten, wie
ihre Eltern es wollten (13% NB) und 33 % berichteten davon, dass sie machen
konnten was sie wollten, immer war für ihre Eltern irgendetwas falsch (13% NB)
(Klann & Saßmann 2002, S.98).
Resümierend
kann man sagen, dass viele Ratsuchende implizit dysfunktionale
Beziehungsschemata anwenden. Ihnen mangelt es z.B. noch an der Realisierung
sozial kompetenter Verhaltensfertigkeiten wie etwa der Fähigkeit, die eigenen
Bedürfnisse zu kennen, sie für sich selbst zu benennen, diese zu äußern und sich
dafür einzusetzen. Ferner auch die
Bedürfnisse des Partners wahrzunehmen und in angemessener Weise zu
akzeptieren oder zurückzuweisen und sich somit selbstsicher in einer nahen
Beziehung zu verhalten, so dass man sich auf gleicher Augenhöhe begegnet.
Viele
Ratsuchende hatten offensichtlich durch frühe Beziehungserfahrungen wenig
Gelegenheit, Erfahrungen der Kompetenz hinsichtlich der Umsetzung eigener
Bedürfnisse und Wünsche, der Erfahrungen von Selbstwirksamkeit zu machen, statt
dessen waren sie damit beschäftigt, Stress und Angst zu bewältigen. Dass solche
früheren Lernerfahrungen Auswirkungen auf das konkrete Gestalten von nahen
Beziehungen im Heute haben, liegt auf der Hand. Aus neurowissenschaftlicher
Sicht ist der Inhalt des psychischen Apparates individuell konstruiertes
Wissen. Für diesen Lernprozess von entscheidender Bedeutung sind die frühen
Jahre: „Wie alle lernfähigen Gehirne ist auch das menschliche Gehirn am
tiefsten und nachhaltigsten während der Phase der Hirnentwicklung
programmierbar“ (Hüther 2001, S. 23). Ein Kind, das viel Angst und Stress
erlebt, speichert von Anfang an die Erfahrungen im Umgang mit diesen Zuständen
und nutzt diese Erfahrung bis auf weiteres, um das Wohlbefinden zu sichern, so
gut es geht.
„Je
früher sich diese prägenden Erfahrungen im Umgang mit der Angst in das Gehirn
eingraben können, je verformbarer die Verschaltung des Gehirns also zu dem
Zeitpunkt sind, zum dem diese Erfahrung gemacht werden, desto besser sitzen sie
für den Rest des Lebens. Sie sehen dann aus wie angeborene Instinkte, lassen
sich auslösen wie angeborene Instinkte, sind aber keine angeborenen Instinkte,
sondern in das Gehirn eingegrabene, während der frühen Kindheit gemacht
Erfahrungen mit der Bewältigung von Angst und Stress "(Hüther, 2001, S. 51).
Vielleicht
haben diese frühen Erfahrungen auch Auswirkungen auf die aktuelle gefühlsmäßige
und körperliche Befindlichkeit. So berichteten 82% davon, in Gefühlsdingen sehr
verletzlich zu sein, 78% meinten, sich zu viele Sorgen machen zu müssen, 71%
sprachen davon gespannt oder aufgeregt zu sein, 63% hatten den Eindruck, andere
nicht zu verstehen und 60% berichteten davon, dass es ihnen schwer fällt, etwas
anzufangen. Die Signifikanz zu den Normwerten betrug jeweils p .001 . (Klann
& Saßmann 2002, S.94).
Klinisch
auffällige Werte in der Beschwerdeliste
gaben zum Zeitpunkt der ersten Messung 50% der Männer und 38% der Frauen an.
Mit dieser Liste werden subjektive Beeinträchtigung erfasst, die durch körperliche
Beschwerden verursacht werden und somit Hinweise für eine psychosomatische
Symptomatik ergeben können.
Die
gesamten aus den Fragebogen erhoben Daten erscheinen unter einem anderen Licht,
wenn man sie in ihrer Bedeutung für den einzelnen gewichtet. Aus der
Salutogenese Forschung (Aaron Antonovsky 1997) - also der Wissenschaft, die
fragt was gesund macht statt der Fragestellung der Pathogenese, was krank macht
wissen wir, welch hohe Bedeutung für die Gesundheit der Lebenssinn und
Lebenszufriedenheit Zufriedenheit
haben. Wenn eine Partnerschaft nicht
wichtig ist, wenn das Gestalten von Sexualität keine Bedeutung für einen Menschen hat, dann ist es auch relativ
unerheblich, wie zufrieden oder unzufrieden er in diesem Bereich ist. Aber
welche Werte vertreten an dieser Stelle unsere Ratsuchenden? Die Bedeutung
dieser Gewichtung wird erfasst durch den Fragebogen
zur Lebenszufriedenheit. Als „sehr wichtig“ oder „extrem wichtig“ schätzten
88% Familienleben und Kinder, 86% Partnerschaft und Sexualität und 83% Gesundheit
ein. Eigenen Hobbys dagegen hatten nur für 42% eine extrem wichtige Bedeutung.
(Klann 2002, S.108). Anteil an Klienten (N = 460 Norm = 2562), die die Lebensbereiche des FLZ (Fragebogen zur
Lebenszufriedenheit) zum Zeitpunkt der Prämessung als „sehr wichtig“ oder
„extrem wichtig“ einschätzen sowie Prüfung auf Geschlechterunterschiede
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Geschlechterunterschiede |
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Lebensbereich |
gesamt |
Frauen |
Männer |
|
c2 |
p |
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Familienleben/Kinder |
88% |
93% |
84% |
|
8,9 |
*** |
|
Partnerschaft/Sexualität |
86% |
83% |
88% |
|
2,3 |
n.s. |
|
Gesundheit |
83% |
87% |
80% |
|
4,3 |
n.s. |
|
Beruf/Arbeit |
65% |
60% |
70% |
|
4,6 |
n.s. |
|
Einkommen/finanzielle Sicherheit |
60% |
62% |
58% |
|
1,0 |
n.s. |
|
Wohnsituation |
59% |
60% |
58% |
|
0,1 |
n.s. |
|
Freunde/Bekannte |
56% |
63% |
48% |
|
11,2 |
* |
|
Freizeitgestaltung /Hobbies |
42% |
39% |
46% |
|
2,4 |
n.s. |
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Anmerkungen: c2 = Chi-Quadrat-Test,
p= Signifikanzniveau, *=
p<006(Bonferoni Korrektur), *** p<.001, n.s. = nicht signifikant
Die
Ratsuchenden geben Familienleben, Partnerschaft und Gesundheit höchste
Prioritäten. Spannend ist aber die Frage: Wie sieht nun die tatsächliche
Realität, also konkret die Lebenszufriedenheit aus?
Und
wie die konkret erlebten nun die Ratsuchenden ihre Realität im Vergleich zur
Normstichprobe? Lediglich in den Bereichen Einkommen / finanzielle Sicherheit
und Beruf / Arbeit unterschieden sie sich nicht
von der Normalbevölkerung in anderen Bereichen Freunde und Bekannte,
Freizeitgestaltung und Hobbys, Gesundheit, Wohnsituation, Familienleben und
Kinder, Partnerschaft und Sexualität unterschieden sie sich signifikant. So lag
der gewichtete Zufriedenheitswert der Klienten Stichprobe im Bereich
Familienleben/Kinder bei 4,9 (Norm 9,8) und in Bereich Partnerschaft/Sexualität
bei - 0,9 (Norm 7,9) (Klann 2002, S.109).
Vergleicht
man nun noch diese Werte mit denen, die ausdrücken, was Ratsuchende sich für ihr
Leben vorstellen, was für sie wichtig ist mit ihre Realität, so wird deutlich,
wieweit Wünsche und Realität auseinander klaffen.
Vergleich
der gewichteten Zufriedenheitswerte (FLZ) der Klientenstichprobe (N = 480) mit
der Normstichprobe (N = 2562)

Freu.
= Freunde ***, Fz. = Freizeit***, Gsu. = Gesundheit ***, Eink.= Einkommen n.s.,
Be= Beruf n.s., Woh.= Wohnen *, Fam. =Familie ***, Part. = Partnerschaft***.
*
p £ .006
(Bonferoni-Korrektur), *** p £ .001., n.s. =
nicht signifikant
6 ) Folgen von
Trennung und Scheidung
Die
Folgen von Trennung und Scheidung wurden häufig untersucht. Eine aktuelle
Übersicht findet sich bei Hahlweg und Bodenmann (Grau & Bierhoff
2003 S. 193 bis S.198). Sie zitieren z.B. eine Längsschnittuntersuchung die
aufzeigt, dass Kinder aus Scheidungsfamilien ein um 33% erhöhtes Mortalitätsrisiko
hatten und ihre mittlere Lebenserwartung vier Jahren geringer war als bei
Kindern aus stabilen Familien (a.a.O.S.195) Sie weisen darauf hin, dass für die
Lebenszufriedenheit Liebe, Partnerschaft und Familie als zentrale Faktoren des
Wohlbefindens genannt werden, ihr positives Gelingen die wichtigsten Quellen
für Lebensfreude und körperliche und seelische Stabilität darstellen (S. 192).
7) Die Herausforderung
In
Anbetracht der aufgezeigten Konsequenzen für die Betroffenen und deren Kinder
gilt es, Paarberatung so zu konzipieren, dass sich die emotionale Qualität in
der Beziehung zum Positiven hin verändert, dass dadurch ein Fortbestand der
Beziehung ermöglicht wird und sich somit die Lebenszufriedenheit entscheidend
verbessert. Darüber hinaus muss das „Produkt“ so beschaffen sein, dass es für
Ratsuchende einladend und für sie selbst bzw. öffentliche Träger finanzierbar
bleibt.
(Be-) Urteilen
8.) Das Verfahren
Partnerschule
Eine,
neben anderen möglichen Antworten auf diese Herausforderung ist die
Vorgehensweise Partnerschule. Sie wurde seit 1990 unter den normalen
Alltagsbedingungen der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Hagen -
Iserlohn - Menden entwickelt (Sanders 1996, Sanders 2000a).
8.1) Die
Aussicht, Neues zu lernen, ist ansteckend
Warum
ein solcher Begriff wie Partnerschule
(dieser wird seit 1999 Jahren genutzt) überhaupt? Viele Ratsuchende können sich
leichter mit dem Begriff eines Lernenden identifizieren, als mit dem eines
psychisch Kranken, der einer Therapie bedarf.
In
einer Schule muss man noch nichts wissen, man darf Fehler machen, wird
angeleitet zum richtigen Handeln und man ist vor allen Dingen nicht allein, es
gibt andere, die mitmachen, eine Klassengemeinschaft.
Im Folgenden wird nun aufgezeigt, auf welcher inhaltlichen Grundlage und was
genau die Ratsuchenden in dieser „Schule“ lernen können. Auf Grundlage
empirischen Materials wird sodann aufgezeigt, wie sich darauf hin ihr
partnerschaftliches Miteinander verändert und sie so in diesem Rahmen Eheberatung
und Paartherapie erfahren.
8.2)
Hypothesen leiten die Entwicklung
Folgende
Hypothesen gelten als Grundlage einer wachstumsorientierten Arbeit mit Paaren. Diese
sind eine Ausweitung der vier Grundbedürfnisse nach Grawe (1998), die er als oberste Sollwerte menschlicher Aktivität
benennt (1. das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle; 2. das nach
Lustgewinn und Unlust Vermeidung; 3. das nach Bindung und 4. das nach
Selbstwerterhöhung.)
Ø
Menschen wollen sich in ihrer allernächsten Beziehung gut
fühlen. Sie merken das daran, dass sie hier Entspannung finden, sie sich als
Person wertvoll empfinden und sie sich kompetent im Umgang miteinander
verhalten.
Ø
Sie wollen verstehen, wie ihr Miteinander funktioniert;
warum sie so handeln, wie sie handeln und warum ihr Partner so handelt, wie er
handelt.
Ø
Sie wollen ihre Potenziale entfalten.
Ø
Sie wollen Leben empfangen und es weiter geben.
Ø
Sie wollen ihre Kinder gut erziehen können.
Ø
Paare wollen zusammen bleiben, wollen dass ihre Liebe wächst
bis dass der Tod sie scheidet.
Aber
warum lassen sich diese guten Wünsche häufig nicht umsetzen? Was durchkreuzt
diese guten Absichten und lässt sie nicht selten auch scheitern?
8.3) Fallstricke auf
dem Weg der Ehe zu einer Partnerschaft
8.3.1)
Traditionelle Vorherrschaft des Mannes
Zunächst
ist einmal ein Blick in die Geschichte wichtig. Schaut man die letzten 1000
Jahre unserer Geschichte an, so ist diese geprägt von der Vorherrschaft des
Mannes in der Ehe (Barabas & Erler
1994). Bleibt man im letzten Jahrhundert und betrachtet einmal die
Binnenstruktur einer Ehe, so war diese streng patriarchalisch geregelt. § 1354
BGB i.d.F.1.1.1900 sagte eindeutig: „Dem Mann steht die Entscheidung in allen
das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu.“ Für das
Miteinander gab es eine eindeutige Funktionsteilung. Die Frau war berechtigt
und verpflichtet, das gemeinschaftliche Hauswesen, immer vorbehaltlich der
ehemännlichen Entscheidungsgewalt, zu leiten. Der Ehemann konnte sogar mit
Ermächtigung des Vormundschaftsgerichtes einen gültigen Arbeitsvertrag seiner
Frau kündigen. Der Mann hingegen hatte nach BGB die Verwaltung und Nutznießung
am Vermögen der Frau. Diese wurde nicht für fähig angesehen, ihr eigenes
Vermögen zu verwalten. Er war der Inhaber der elterlichen Gewalt, der Frau
stand nur die tatsächliche Personensorge zu. Bei unterschiedlicher Meinung
setzte sich die des Mannes durch. „Dass
der Mann die Führung in Ehe und Familie übernimmt, ergibt sich ... aus der
natürlichen Verschiedenheit der Geschlechter, aus der christlichen und
deutschen Auffassung, dass der Mann das Haupt der Ehe sei“ (Coester - Waltjen
1992, S.35).
Die
Erfahrungen des zweiten Weltkrieges, dass nämlich auch Frauen verantwortlich
ihr Leben in die Hand nehmen konnten, veranlasste wohl die Mütter und Väter des
Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, die Beziehung zwischen Mann und
Frau neu zu regeln. Sie sagten schlicht: “Männer und Frauen sind
gleichberechtigt“ (GG Art.3 Abs. 2). Dem Gesetzgeber gaben sie auf, bis zum
31.3.1953 alle die Gesetze zu ändern, die einer Gleichberechtigung im Wege
standen. Dieser ließ sich jedoch bis zum Juni 1957 mit der Inkraftsetzung des
Gleichberechtigungsgesetzes (BGBl. I 1957, 609) Zeit. Hinsichtlich der Ehe war
aber noch nicht die volle Gleichberechtigung zugelassen. Es blieb das Leitbild
der Hausfrauenehe, die Reduzierung der Sphäre der Ehefrau auf Kinder und Küche
(Barabas & Erler 1994). Erst 1976, mit dem neu gefassten Scheidungsrecht
(§§ 1564 BGB), wird die „Hausfrauenehe endlich zugunsten einer vertraglichen
Konstruktion verabschiedet. Wie die Eheleute ihr Zusammenleben organisieren,
wer arbeitet oder die Kinder erzieht, können sie nunmehr ohne gesetzliche
Zielvorstellungen selbst entscheiden“ (Barabas & Erler 1994, S.68). Seit
1998 wurde die erzwungene Sexualität in der Ehe als Vergewaltigung oder
sexuelle Nötigung strafbar. So wurde ein letztes Relikt männlicher
Vorherrschaft abgeschafft.
Zusammengefasst
kann man also sagen, dass bis in jüngste Zeit hinein die Vorherrschaft des
Mannes eine Leitbildfunktion für das Zusammenleben in einer Ehe und Familie
hatte.
8.3.2)
Sexualität als soziale Kommunikation
Bei
den Stolpersteinen auf dem Weg zu einer gelingenden Beziehung sind die
vielfältigen Probleme der Paare mit der Gestaltung der Sexualität zu nennen.
Auch dazu ein Blick in die jüngste Geschichte.
Um
die Stimmung und damit die vorherrschende Meinung in den 50ger Jahren des letzten
Jahrhunderts wiederzugeben folgendes Zitat. Auf die Frage, ob der
Geschlechtsverkehr von Verlobten gegebenenfalls unter den Kuppeleiparagraphen
(§ 180 StGB alte Fassung) falle, antwortete das höchste deutsche Gericht (BGH
1954):
„Die
sittliche Ordnung will, dass sich der Verkehr der Geschlechter grundsätzlich in
der Einehe vollziehe, weil der Sinn und die Folge des Verkehrs das Kind ist. Um
seinetwillen und um der personenhaften Würde und der Verantwortung der
Geschlechtspartner willen ist dem Menschen die Einehe als Lebensform gesetzt.
Nur in der Ordnung der Ehe und in der Gemeinschaft der Familie kann das Kind
gedeihen und sich seiner menschlichen Bestimmung gemäß entfalten. Nur in dieser
Ordnung und in dieser Gemeinschaft nehmen sich die Geschlechtspartner so ernst,
wie sie es sich schulden...Indem das Sittengesetz dem Menschen die Einehe und
die Familie als verbindliche Lebensform gesetzt und indem es diese Ordnung auch
zur Grundlage des Lebens der Völker und Staaten gemacht hat, spricht es zugleich
aus, dass sich der Verkehr der Geschlechter grundsätzlich nur in der Ehe
vollziehen soll und dass der Verstoß dagegen ein elementares Gebot
geschlechtlicher Zucht verletzt“ (BGHSt 6, 46, 53).
Eine
Wende in dieser festgefügten juristischen Auffassung gegenüber nichtehelichen
Lebensgemeinschaften brachten zwei Entscheidungen des BGH aus den Jahren 1969
und 1970 zur Gültigkeit von Testamenten in Ehen ohne Trauschein, die bis dahin
als „sittenwidriges Verhalten“ galten (BGH, Neue Juristische Wochenzeitschrift
1969, 1343 und 1970, 1273).
Vergleicht
man einmal diese Wertvorstellungen mit denen, die heute in der Werbung und in
den Seifenopern des Fernsehens dargestellt werden, so wird deutlich, wie viel
sich im Bereich der Sexualität, in der Auffassung dazu und ihrer Gestaltung
verändert hat. Jenseits jeglicher inhaltlichen Bewertung geht es in diesem
Zusammenhang um ein Verstehen dessen, was sich alltäglich im Rahmen der
Eheberatung erleben lässt. Daraus
lassen sich zwei Thesen ableiten, die für die Konzeption der Partnerschule als Schule zentral sind.
Paare
wollen gleichberechtigt und in Partnerschaft zusammenleben. Da sie dieses kaum
in ihrer Elterngeneration erlebt haben und so lernen konnten, mangelt es ihnen
an Vorbildern, wie Partnerschaft ganz konkret heute für sie aussehen kann.
Die
Entwicklung zuverlässiger Kontrazeptiva ermöglichte das sexuelle Zusammensein
von Mann und Frau in Ablösung von einer Fortpflanzungssexualität hin zu einer
sozialen Sexualität. Die dadurch neuen Möglichkeiten, Sexualität zu gestalten,
lösten zum einen deren Bindung an die Ehe. Zum anderen wird in der
Öffentlichkeit Sexualität nicht selten mit einem bestimmten Muss verknüpft: Ein Konsumgut mit dem
Ziel der maximalen Lustgewinnung.
8.3.3) Frühe
Beziehungserfahrungen - Ursachen dysfunktionaler Beziehungsmuster
Nicht
wenige Ratsuchende sind in vielfältiger Hinsicht durch negative
Beziehungserfahrungen, insbesondere in ihrer Kindheit, belastet. Das drückt
sich dann in Zahlen folgendermaßen aus (Klann & Saßmann 2002):
|
|
Normal- Bevölkerung |
Mehrfach
auffällige Straftäter |
Ehe-,
Familien- und Lebensberatung |
|
Die
Erziehung durch meine Eltern war sehr streng. |
18% |
31% |
49% |
|
Bei
meinen Eltern konnte ich mich verhalten, wie ich wollte, immer war
irgendetwas falsch. |
13% |
29% |
33% |
|
Meine
Eltern mochten mich nur dann, wenn ich mich so verhielt, wie Sie es wollten. |
13% |
26% |
43% |
Das
heißt, Ratsuchende hatten wenig Gelegenheit, Erfahrungen der Kompetenz hinsichtlich
der Umsetzung eigener Bedürfnisse und Wünsche, letztlich Erfahrungen von
Selbstwirksamkeit zu machen.
8.3.4)
Überemotionalisierung der Ehe in einer Ex und Hopp Gesellschaft
Fragt
man Paare, was die Grundlagen für das Zusammenleben sind, so wird man in der
Regel von Glück, Liebe, Zuneigung, Vertrauen hören. Alles gefühlsmäßige
Qualitäten, deren genaue Definition in der Regel schwer fällt. Was für den
einen die Liebe ist, kann für einen anderen Torheit bedeuten. Ein gesichertes
Einkommen, für den einen Glück, kann
wiederum für einen anderen ein Festhalten an nur scheinbaren Sicherheiten sein.
Betrachtet
man heute die Grundlagen einer Partnerschaft, so sind diese in der Regel auf
solche vorgenannten hohen psychischen und affektiven Besetzungen gegründet -
ein ziemlich wackeliges Fundament. Und dann, wenn Menschen feststellen, dass
die Liebe oder das Glück nicht mehr da sind, liegt eine Trennung vom Partner
schnell nahe. Die Zunahme der Scheidungen liegt also nicht darin, dass die Ehe ihren Sinn verloren hätte, sondern ganz
im Gegenteil daran, dass sie für den Einzelnen eine zentrale emotionale
Bedeutung und Wichtigkeit bekommen hat. Unter diesem Anspruch und
Erwartensdruck geschieht es dann leicht, dass die vermeintliche Bilanz der
Liebe nicht mehr ausreicht.
Und
stimmt die Bilanz nicht mehr, wird sich ganz im Sinne einer Ex und Hopp
Gesellschaft - in der es preisgünstiger ist, sich eine Waschmaschine oder ein
Fernsehgerät neu zu kaufen, statt diese reparieren zu lassen - vom Partner
getrennt. Denn mit dem neuen Mann, der neuen Frau wird - so die vermeintliche
Hoffnung - ja alles anders, vor allem aber besser. Ganz außer Acht gelassen
wird bei der Wegwerfmentalität ebenfalls, dass wir Menschen Wesen sind, die
sich von der Geburt bis zum Tod entwickeln und verändern; dass wir als „System
Ehe und Familie“ in der Lage sind, zu einer immer größeren Komplexität des
Miteinanders zu gelangen oder anders ausgedrückt, dass wir in uns die Fähigkeit
haben, Probleme zu lösen und zu bewältigen. Aus diesem Prozess geht dann ein System gestärkt hervor, die Liebe
zueinander wächst dadurch. Vielleicht liegt darin sogar ein wichtiger Sinn
unseres Lebens?
Die
Trauformel: „In guten und in schlechten Zeiten zusammenzuhalten und zueinander
zu stehen“, bedeutet ja nichts anderes, als zu diesem Entwicklungsprozess Ja zu
sagen. Ein Prozess, der darauf angelegt ist, eine Familie zu gründen und Kinder
zu bekommen - so der uralte Auftrag der Natur. Sich diesen Herausforderungen zu
stellen bewirkt, dass man immer mehr der
Mann, beziehungsweise die Frau wird,
also die Persönlichkeit entwickelt, die in einem steckt und angelegt ist.
Das
Leben eines Paares ist vergleichbar mit einem Fluss, der viele Stromschnellen, Untiefen,
Sandbänke, landschaftlich idyllische und gefährliche Ruheplätze hat –
historische, soziokulturelle und physikalische Umweltbedingungen. Die zentrale
Aufgabe eines Paares besteht darin, auf diesem Fluss sein Boot, mit der
dazugehörigen Besatzung, sicher und geschickt zu steuern. Aber wie soll man mit
Liebe, Glück, Zuneigung allein einen
nicht selten reißenden Fluss
bewältigen? Dazu braucht es handwerkliches Geschick,
Kooperationsfähigkeit und Verlässlichkeit – auch bei hartem Wetter. Deshalb
sind bei einem Paar nicht die großen Absichtserklärungen und Liebesschwüre
interessant, sondern die vielen kleinen Routinen des Beziehungslebens, die
Regelungen der Alltagsorganisation. Wer sorgt dafür, dass die schmutzige Wäsche
gewaschen wird, dass sie zum Trocknen aufgehängt, gebügelt und in den Schrank
gefalten wird? Wer fühlt sich dafür
verantwortlich, die Kinder zu trösten, wenn sie nachts weinen? Die vielen
kleinen einzelnen Handlungen des Alltags, das Betten machen, das Putzen der
Toilette, das Abräumen des Frühstückstisches konstituieren ein Paar! Der
Alltag, der funktioniert oder nicht funktioniert ist die entscheidende Basis, das Leben mit all seinen Herausforderungen
zu bewältigen (J.C. Kaufmann 1994). Nicht selten geschieht es in der Beratung,
dass genau dies als „Gewohnheiten“ gering schätzend etikettiert wird. Aber sind
es nicht die Gewohnheiten, die uns Wohnung nehmen lassen, die uns eine
Sicherheit vermitteln, damit wir immer mehr die werden, die wir sind (Schmid
2000)?
8.3.5) Mangel
an Beratungsmöglichkeiten
Hahlweg
& Bodenmann (in: Grau & Bierhoff 2003) weisen auf den kontinuierlichen
Anstieg der Nachfrage nach Eheberatung hin, auf den damit verbundenen
erheblichen finanziellen Aufwand, konstatieren allerdings auch, dass die
Wirksamkeit von Eheberatung leider nur sehr begrenzt sei, da Konflikte und
negative Interaktionsmuster des Paares oft so verhärtet sind, dass eine Änderung
nur bedingt möglich erscheint. Für die tägliche Praxis der Eheberatung im
deutschsprachigen Raum wurden nur niedrige Erfolgsquoten festgestellt (Klann
& Hahlweg 1994). Sie empfehlen deshalb ausdrücklich präventive Maßnahmen
wie das FSPT (Bodenmann 2000) oder EPL, KEK (Black, Engl & Thurmaier,
2001).
Die
Angaben für die Dauer von Eheberatung schwanken zwischen 10 und 15 h (Hahlweg
& Bodenmann 2003) und einer durchschnittlichen Beratungsdauer von 4 h, geht
man von den Zahlen aus, die Ziegler einem Interview im Dezember 2003 der
Zeitschrift Psychologie Heute benennt. Aber was ist innerhalb von 4 h möglich,
wenn allein schon die Krankenkasse fünf probatorische Sitzungen im Rahmen von
Psychotherapie genehmigt, um zu prüfen, ob ein tragfähiges Arbeitsbündnis
möglich ist?
Vielleicht
reicht die Anzahl der Beratungsstunden nicht aus, um zufriedenstellende
Ergebnisse zu erreichen? So bietet die Arbeit mit Gruppen ein Ausweg aus diesem
Dilemma. In einem ökonomisch vertretbaren Maße ist es möglich, Klienten in
einem weit höheren Umfang Beratungsstunden zur Verfügung zu stellen. Ferner
gibt es gewichtige Plädoyers, das gruppentherapeutische Setting grade für
solche Fälle, in denen es um zwischenmenschliche Probleme geht, der
Einzeltherapie vorzuziehen Äpfel (Grawe 1998, Seite 129). Aufgrund der
Ergebnisse der Psychotherapieforschung hatten Grawe et al. bereits 1994
empfohlen: „Für Patienten, bei denen Veränderungen im zwischenmenschlichen
Bereich erwünscht sind, ist das gruppentherapeutische Setting aber dem
einzeltherapeutischen auf jeden Fall vorzuziehen.“ (a.a.O.S.706).
9) Die Situation und
die Wünsche der Ratsuchenden als Dienstauftrag
Aus
den Thesen bzw. den Umfrageergebnissen ergibt sich für die Konzeption der
Vorgehensweise Partnerschule folgender Auftrag:
Ø
Paare wollen lernen, wie das geht, Ehe und Familie zu leben.
Ø
Sie wollen die Formen
des sexuellen Miteinanders finden, die für die Gestaltung ihrer einmaligen
Sexualität stimmen.
Ø
Sie spüren offensichtlich deutlich, dass es dazu weiterer
guter Beziehungen, die über die Partnerschaft hinausgehen, wie Freunde und
Nachbarn, einem tragenden Netzwerk, bedarf.
Notwendig
sind also Räume und oder Felder, in denen sie dieses lernen können, in denen
sie sich als kompetente Beziehungspartner erfahren. Das heißt dann konkret:
Menschen, die eine Beratungsstelle aufsuchen, sind in der Regel nicht krank.
Sie wissen nur nicht, wie das geht in Ehe und Familie so zusammenzuleben, dass
sie eine Zugewinngemeinschaft bilden. Dass Kooperation nur dann gelingt - so
sagen uns das ja die mathematischen
Ergebnisse der Spielforschung - wenn beide
von dem Spiel Nutzen haben und Gewinner sind. Und das ist mit dem Spiel des
Lebens nichts anderes.
Menschen
sind sehr intelligent Wesen. Deshalb schaffen sie sich Lernsituationen und/oder
Herausforderungen, an denen sie wachsen und reifen können. Sie verfolgen dabei
das Ziel, immer mehr die oder der zu werden, die oder der in ihnen steckt. Sie
wollen ihre Potenziale entfalten. So sind die Situationen, mit denen
Ratsuchende in die Beratung kommen, ihr Chaos, für sie solche
Herausforderungen, an denen sie lernen können. Sie lernen etwa durch die
Entwicklung neuer Strukturen, neuer Verhaltensweisen, neuer Denkmuster, ihr
Chaos zu überwinden, um zu einer größeren Komplexität des Miteinanders zu
gelangen. Dabei stellen sie immer mehr fest, dass die Anzahl ihrer Möglichkeiten
sich vergrößern.
Menschen
sind in der Lage, bis an ihr Lebensende hinzuzulernen. Sie können etwa
ausgetretene Pfade der Selbstabwertung, destruktive Muster des Miteinanders
verlassen, um neue konstruktive Möglichkeiten zu lernen mit sich selbst und mit
anderen umzugehen.
9.1) Was also
lernen nun Erwachsene in der Partnerschule?
Folgende
Qualitäten für das Gelingen einer Partnerschaft werden vermittelt. Dabei
spielen Körperorientierte und erlebnisaktivierende Methoden eine zentrale Rolle
(Hausmann & Neddermeyer 2003, Petzold 1990. Primäres Ziel ist dabei nicht
das Aushandeln von Streitpunkten sondern vielmehr ??die Vermittlung von Beziehungskompetenzen. Diese
ermöglichen dann, die eigene Situation unter einem alternativen Gesichtspunkt zu betrachten und so Lösungen zweiter
Ordnung zu entwickeln.
Ø
Entspannung
Ratsuchende
lernen, sich zu entspannen, um sich selbst zu spüren und fühlen zu können. Erst
aus dieser Entspannung heraus können sie dann
auf ihr Leben schauen und mögliche Veränderungen planen.
Ø
Einen eigenen Stand entwickeln
Sie
lernen, bei sich anzukommen und sich auf sich selbst zu zentrieren. Sie machen
die Erfahrung, wie es sich anfühlt, auf eigenen Füßen zu stehen, selbstständig
zu sein, einen eigenen Stand zu haben. Aus diesem heraus verantwortlich zu sein
für die Gestaltung ihres eigenen Glücks und Unglücks.
Ø
Gefühle ausdrücken
Sie
lernen, ihr Gefühlsspektrum zu erweitern und einen angemessenen Ausdruck dafür
zu finden.
Ø
Ja sagen und Nein sagen
Sie
lernen, sich abzugrenzen, „Nein“ und auch „Ja“ zu sagen und so Grenze als Ort
des Kontaktes zu sich selbst als auch zum Partner zu erfahren.
Ø
Sich anzuvertrauen
Dadurch,
dass sie erfahren haben, dass sie auf eigenen Füßen stehen können, können sie jetzt auch lernen wie das geht, sich
anzuvertrauen, sich anderen zuzumuten, sich halten zu lassen. Aus dieser
Gewissheit ist es jetzt auch möglich, für andere Halt zu sein. aus seiner Treue
sich selbst gegenüber sind sie jetzt in der Lage, auch dem Partner bzw. ihren
Kindern gegenüber treu zu sein.
Ø
Sich hingeben, sich fallen lassen
Sie
lernen, sich dem anderen hin zu geben, sich einfach fallen zu lassen.
Ø
Aggressionen gestalten
Aggressionen
sind eine wichtige Grundausstattung unseres Menschseins; Ratsuchende lernen,
sich dessen bewusst zu sein. Aus diesem Bewusstsein heraus diese gezielt
einzusetzen und sie werden auch in
die Lage versetzt, Aggressionen abzuwehren.
Ø
Einen Ausdruck finden und darüber ins Gespräch kommen
Durch
den Einsatz kreativer Medien wie Ton, Farben und Formen finden sie einen nicht
sprachlichen Ausdruck für bisher noch Unaussprechbares. Mithilfe dieser Form
kommen sie mit ihrem Partner und mit anderen ins Gespräch.
Ø
Sich einfühlen
Aus
einem guten Spüren seiner selbst wird es dann auch möglich, sich in den Partner einzufühlen. Klienten lernen, den
Körper und die Seele des Partners zu spüren und wahrzunehmen. Aus diesem heraus
verändern sie die Gestaltung ihres Miteinanders ganzheitlich. Zum Beispiel
lösen sie sich in ihrer Sexualität von einer Orgasmus Fixiertheit hin zu einem
spielerischen Miteinander, das den ganzen Körper einbezieht.
Ø
Sprechen und Zuhören lernen
Durch
das EPL lernen sie kommunikative Fertigkeiten, „richtig“ zu sprechen und
„richtig“ zuzuhören (Black, Engl & Thurmaier 2001, Braukhaus 2002).
Ø
Sich präsentieren
Im
Rahmen der Gruppenarbeit wird Ihnen Mut gemacht - insbesondere im
Freizeitbereich - sich mit ihren Fähigkeiten und Künsten den anderen Teilnehmern
zu präsentieren. Sie machen so die Erfahrung, etwas können, was von anderen
geschätzt wird. Sie lernen, die Anerkennung anderer wahrzunehmen und sie
anzunehmen und auch, sich selbst zu verstärken und sich zu loben.
Ø
Mit anderen kooperieren
Im
Zusammenspiel mit anderen in der Gruppe machen sie die Erfahrung, wie und dass sie mit anderen kooperieren können. Sie sind solidarisch und
erleben tätige Solidarität der anderen. Insbesondere aber machen sie die
Erfahrung, dass sie selbst kompetente Beziehungspartner sind.
Ø
Wissensvermittlung
Partnerschule
ist auch „Klientenschulung“ also konkrete
Wissensvermittlung. Dabei werden unter anderem folgende Informationen, am
besten immer am Prozess orientiert, vermittelt:
Ø Grundlagen der
Chaostheorie (Chaos als etwas Normales, als Übergang zu einer größeren
Komplexität des Miteinanders)
Ø Der
Unterschied zwischen impliziten und expliziten Verhaltensweisen (zwischen
vorbewussten und bewussten Beziehungsregeln).
Ø Produzieren
von Wahrnehmung (Erinnerung nicht als Dokumentarfilm, sondern als ein Produkt
der augenblicklichen Situation).
Ø Entstehung von
Störungen, Störungsattraktoren, Bedeutung neuronaler Erregungsmuster für das
Verstehen konflikthafter Interaktionen .
Ø Informationen
über den geschichtlichen Wandel von der Vorherrschaft des Mannes zur
Partnerschaft zwischen Mann und Frau in der Ehe.
Ø Bedeutung der
Kontrazeptiva und der in Medien produzierten Meinung für eine veränderte
Einstellung und Gestaltung der Sexualität.
Ø Eine
systemische Sichtweise zum Verstehen des „Filmes“ der zwischen Paaren läuft,
zum Beispiel an der Fragestellung, wie macht das Opfer den Täter zum Täter?
Für
Eltern besteht die Möglichkeit, ihre Kinder zu den Seminaren mit zu bringen.
Diese werden während der Gruppenarbeit parallel betreut. Die Kinder fühlen sich
in der Regel sehr wohl, spüren sie doch, dass ihre Eltern bei den Beratern in
guten Händen sind und sie sich nicht
mehr darum kümmern müssen, dass ihre Eltern sich nicht streiten. Bei dem letzten Basisseminar im Herbst 2003
schrieben dann auch die Kinder über ihren Gruppenraum: Betreten verboten! Kinder haften nicht für ihre Eltern!
Die
inhaltliche Aussage der Kinder in diesem Verbotsschild korrespondiert mit den
Befunden von Lenz (2001) der
feststellte, dass Kinder ein kindbezogenes Setting katamnestisch zufriedener
einschätzen als einen familienbezogenen Ansatz mit Familiengesprächen. Denn
hier stehen die Aktivitäten der Kinder und die Zuwendung durch deren
Gruppenleiter im Vordergrund und nicht die Probleme der Erwachsenen. Aus diesem
Grund ist es nicht verwunderlich, dass dies positiver eingeschätzt wird als ein
familienbezogenes Setting, bei dem das Reden im Mittelpunkt steht – auch dann,
wenn versucht wird, in Familiensitzungen mit handlungsorientierten Methoden zu
arbeiten.
Im
Rahmen des Projektes des Deutschen Arbeitskreises für Jugend-, Ehe- und
Familienberatung (DAK) zur Gewaltprävention „Bestandsaufnahme von Modellen der
Erziehungs- und Familienberatung zur Förderung einer gewaltfreier Erziehung“
wurde die Partnerschule als Modell ausgewählt (Sanders 2001).
Die
Anzahl der Kinder liegt je Seminar durchschnittlich bei 12 im Alter zwischen
drei Monaten und 16 Jahren.
11) Hinweise, damit
die Arbeit in und mit Gruppen ein Erfolg wird
Damit
diese Lernziele erreicht werden können, sind einige Grundregeln für den
„Unterricht“ mit Erwachsenen, die Arbeit in und mit Gruppen hilfreich (Fiedler 1996, Sanders 2000b)
Beraterinnen
gehen mit einem Paar einen Dienstvertrag ein. Das Paar erwartet, dass diese
sich in ihrem therapeutischen Handeln auf der
Grundlage empirisch gesicherter Konzepte verhalten.
Klienten
wissen am besten selbst, was für sie gut ist. Deshalb werden sie an keiner
Stelle gezwungen, etwas gegen ihren eigenen Willen zu tun. Alle Interventionen
sind Vorschläge und können vom Klienten angenommen werden oder nicht. Bei allen
Interventionen von Seiten des Beraters gilt es, etwa durch eine genaue
Beschreibung der Übung, um deutlich zu machen, welche Absicht dieser damit
verfolgt.
In
einer Gruppe äußert sich jeder Teilnehmer nur insoweit, wie er es selbst
möchte. Es ist sogar möglich, auch nur
"zuschauend" an einer Gruppe teilzunehmen.
Jede
Gruppenarbeit ist einzelfallorientiert. Das heißt, es geht immer um die
Beziehungskonflikte des Einzelnen, des einzelnen Paares. Entstehen Konflikte
der Gruppenteilnehmer untereinander, so werden diese auf ihre Relevanz für das
sonstige Alltagsleben des Klienten untersucht: "Kennen Sie ähnliche
Konflikte auch außerhalb dieser Gruppe? Wie erleben Sie diese? Wie gehen Sie
damit um?" Der Berater sorgt also dafür, dass eine Beziehungsanalyse nicht
dadurch behindert wird, dass die Gruppenmitglieder in eine gruppendynamisch
inspirierte Diskussion ihrer Konflikte und Interaktionsprobleme untereinander
eintreten. Vielmehr sorgt er dafür, dass Beziehungsprobleme möglichst
individualisiert auf den Einzelnen bzw. das einzelne Paar hin betrachtet werden.
Dadurch wird für den Einzelnen bzw. das Paar eine möglichst geschützte
Situation hergestellt, in der über ihre Beziehungsschwierigkeiten ohne
voreilige Interpretation und Störungen durch die übrigen Gruppenteilnehmer in
aller Ruhe reflektiert werden kann. Werden die anderen Gruppenteilnehmer
eingeladen, ihre Wahrnehmungen mitzuteilen, geht es immer um konstruktives Feedback.
So weit wie möglich wird versucht, das in der Gruppe gezeigte Verhalten mit
alltäglichen Verhaltensmustern in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen.
Keinesfalls
werden Konflikte der Teilnehmer untereinander durch die Leitung provoziert oder
intendiert. Die beraterische Vorgehensweise zeichnet
sich durch eine klare Struktur und Transparenz aus.
12.) Orientierung an
psychotherapeutischen Wirkfaktoren
Wie
ein roter Faden durchgehend ist die Orientierung an den vier von Grawe (1998) ausgearbeiteten Wirkfaktoren für therapeutisches
Handeln.
Klienten kann man besonders dann
gut helfen, wenn man in einer entspannten und wohlwollenden Atmosphäre an ihre
positiven Möglichkeiten, Eigenarten, Fähigkeiten und Motivationen anknüpft.
Deshalb erfahren sich Ratsuchende gerade auch mit ihren Stärken
und positiven Seiten. So ist jeder aufgefordert, in der Vorstellungsrunde eine
Tätigkeit zu nennen, die er gut kann. Berichtet ein Paar von seinen
Schwierigkeiten in der ersten Sitzung, wird immer auch danach gefragt, was
ihnen denn alles gelingt, was sie aneinander schätzen und mögen.
Ihnen wird Mut gemacht, sich mit ihren Fähigkeiten etwa im Rahmen
der Freizeitgestaltung außerhalb der offiziellen Gruppensitzungen in die Gruppe
einzubringen: Selbstverteidigung, Traumfänger basteln, Märchen erzählen usw.
Nicht
selten sind Paare ineinander fest gebissen oder fest gefahrenen, herrscht eine
Dominanz des Mangels vor. Hier ist diese Vorgehensweise des Beraters, sein
bewusster Seitenwechsel - hin zu dem was gelingt, (!) was schon mal schön
miteinander war, oder die Aktualisierung der Erinnerung des Paares an die erste
Zeit des Kennenlernens und Verliebtseins durch die Frage im Erstkontakt: Wie
war das eigentlich, als sie sich kennenlernten? - unter dem Gesichtspunkt der nonverbalen Beziehungsregulation,
einen positiven Effekt auf das Paar und dessen augenblicklichen emotionalen Umgang,
ohne dass überhaupt ein Wort über diesen verloren wurde.
Eine empirische Absicherung der Auswirkungen eines solchen
positiven "Leitaffektes" seitens des Therapeuten auf den Therapieerfolg,
wurde von Krause (1997) vorgelegt. Er
wies nach, dass jenseits der therapeutischen Orientierung die Ergebnisse dann
am besten waren, wenn der Berater auf einen negativen Leitaffekt seitens des
Klienten mit einem positiven reagierte. Nicht reziprokes Beraterverhalten -
also nicht darauf einzuschwingen, dass in der Beziehung zum Partner alles zum
Schlechten bestellt sei und dass man deshalb gekommen sei, um eine
"Scheidungsberatung" in Anspruch zu nehmen - kann also dem Klienten wirksam helfen, aus eingeschliffenen
emotionalen Reaktionsmustern herauszukommen (Kiesler 1982). Und zu guter Letzt induziert die
Ressourcenaktivierung Hoffnung,
zentrale Voraussetzung dafür, Selbstheilungskräfte in Gang zu setzen.
Wichtig
ist es, dass das, was verändert werden soll, auch real erlebt wird.
Aus
diesem Grund wird in der Partnerschule Paarberatung nicht mit getrennten
Partnern, sondern mit beiden Partnern gemeinsam durchgeführt. Wenn ein Paar
kommt, wird weniger auf die Geschichte des Miteinanders von gestern geachtet,
sondern das „Problem” sitzt ja leibhaftig vor dem Berater. Er achtet also
besonders auf das Wie des
Miteinanders. Es geht nicht darum, dass ein Paar erzählt, wie sie sich gestern
gestritten haben, sondern dass sie sich jetzt
streiten. Dann ist konkret erlebbar, wie einer dem anderen etwa
durch”Du-Botschaften” (Engl &
Thurmaier 1992) ein Bild überstülpt, das der andere nur zurückweisen kann
und wie in der Folge ein end- und erfolgloses Streiten entsteht. Die
Problemaktualisierung, die prozessuale Aktivierung des Problems, ist in die Gelegenheit und Chance, neues Lernen
zu initiieren. Das heißt, auf ein altes Problem mit einer neuen Verhaltensweise
zu reagieren.
Die
Klienten werden mit geeigneten Maßnahmen unterstützt oder direkt angeleitet,
mit einem bestimmten Problem besser fertig zu werden.
In
dem zuvor geschilderten Beispiel könnte der Berater den Klienten den Unterschied
zwischen Du- und Ich-Botschaft erklären und sie anschließend bitten, das
Gespräch so fortzusetzen, dass jeder nur noch von sich und seinen Gefühlen
spricht. Also: ”Ich denke, fühle,
meine, will ...” statt: ”Du bist
...”. Sollten die Klienten dazu nicht in der Lage sein, weil sie bisher noch
gar nicht gewohnt waren, von sich selbst zu sprechen, dann stellt der Berater
sich hinter den Stuhl des Klienten, versucht, sich in ihn einzufühlen und für
ihn einen Satz zu sprechen, der mit ”ich” anfängt. Anschließend wird der Klient
gebeten, den Satz zu überprüfen und, wenn er für ihn zutrifft, ihn zu
wiederholen. Anschließend werten die Klienten ihre Erfahrungen mit diesem
„neuen” Gesprächsstil aus. Im Verlauf der Beratung reicht es später, dem
Klienten leise während eines Gespräches mit dem Partner ein „ich” zuzuflüstern,
damit er wieder anfängt, von sich zu reden. So macht der Klient die konkrete,
reale Erfahrung, dass er im Sinne seiner Intention (das Zusammenleben positiv
zu verändern) besser mit dem neu gelernten Gesprächsstil zurechtkommt.
Erfahrungen
von solcher Qualität sind für den weiteren Verlauf der Beratung als auch für
die Zeit danach entscheidend. Denn sie vermittelt das Erlebnis, etwas lernen zu
können, was man vorher nicht konnte, oder etwas zu tun, was man sich bisher
nicht zutraute.
Ø
Klärungsperspektive
Hier
geht es darum, dass Ratsuchende verstehen, warum sie so handeln wie sie
handeln, dass sie verstehen warum ihr Partner so handelt wie er handelt. Hier
geht es also insbesondere darum, einen Zugang zu den impliziten
Beziehungsregeln zu finden, sie zu verstehen, um sie gegebenenfalls zu
verändern bzw. alternative Verhaltensstrategien zu erlernen.
Beispielsweise
lernen Klienten zu unterscheiden, ob ihre augenblickliche Wut gegenüber dem Ehepartner
oder den Kindern einem vorliegenden Anlass angemessen ist, oder ob diese Wut
nicht das Ergebnis alter Beziehungsregeln ist. Früher war diese Wut in
Stresssituationen vielleicht einmal überlebenswichtig, also eine Kompetenz,
heute dagegen wird sie dysfunktional.
Das
Verstehen dieser alten Beziehungsregeln, ihre positive Wertung als Kompetenz
eröffnet häufig eine Bereitschaft, angemessene Strategien zum Gestalten von
Beziehungen hinzuzulernen.
Handeln
13) Wie läuft nun
eine Beratung im Rahmen der Partnerschule konkret ab?
In
einem ersten Informationsgespräch schildern die Ratsuchenden ihr Problem und
ihre Erwartungen an die Beraterin. Bereits an dieser Stelle ist es wichtig über
die Verstehensfolie der Partnerschule zu informieren. Das heißt Ratsuchenden zu
vermitteln, dass ihre Probleme normal
seien. Ratsuchende können es sehr plausibel nachvollziehen, dass sie bisher
noch nicht Partnerschaft lernen konnten. Ihnen ist es relativ leicht einsichtig
zu machen, wie Beziehungsregeln aus früher Kindheit auf heutiges nahes
Miteinander Einfluss haben; wie sie diese Regeln gelernt haben und warum diese
Regel vielleicht einmal sehr sinnvoll zum Überleben (als Kompetenz!) waren. Und
dass es hier darum geht, neues Verhalten, angemesseneres Miteinander zu lernen.
Sie werden auch über die Ergebnisse der Therapieforschung informiert, dass
nämlich Interaktions- und Beziehungsprobleme am effektivsten in und mit Gruppen
verändert werden können (Grawe et al.
1994, Grawe 1998)
So dann bekommen sie die Übersicht über die einzelnen Elemente der
Vorgehensweise. Hierbei werden auch Einzelübungen beschriebenen bzw. Tonfiguren
und Bilder aus der Arbeit beispielhaft gezeigt.
Informationsblatt zur Partnerschule
è Die Basisform (mit insgesamt 40 - 60 Stunden):
In dieser geht es insbesondere um die
Themen: Was für ein Paar sind wir? Welche Schwächen, welche Stärken zeichnen
uns aus? Welche Beziehungserfahrungen bringt jeder von beiden mit in die
Partnerschaft? Welche Ideen hat jeder von einer Ehe, einem partnerschaftlichen
Zusammenleben? Welche Ziele setzen wir uns als Paar?
è Ein aufbauendes Seminar: „Neue Wege zu Lebendigkeit,
Sinnlichkeit und Sexualität“ (an drei über einen Zeitraum von sechs Monaten verteilten
Wochenenden):
Es gliedert sich in drei Sequenzen. Bei
der ersten wird ein wohlwollender Blick auf den eigenen Körper als Ausgangspunkt
jeder Lebendigkeit geübt. In der zweiten stehen das Gespräch über Sexualität
und die Bedeutung von Träumen und Phantasien als Wegweiser zu Sinnlichkeit im
Mittelpunkt. Im letzten Abschnitt geht es um die Integration der gegengeschlechtlichen
Anteile, basierend auf der Idee, dass in jedem Mann Weibliches und in jeder
Frau Männliches lebt.
è Intensivseminar: „Paarkibbuz” Selbstbehauptung und
Zweisamkeit (vierzehn Tage):
Beim Paarkibbuz handelt es sich um ein
paar- und familientherapeutisches Seminar, das aufgrund seiner Rahmenbedingungen
den Teilnehmern intensive Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten bietet.
„Offizielle“ therapeutische Arbeit wechselt nun hier mit der Möglichkeit, mit
anderen Teilnehmern gemeinsam Zeit zu verbringen und zu gestalten, aber auch
sich allein für sich selbst zurückzuziehen. Dienste am Gemeinschaftsleben wie
z.B. Spülen, Getränkedienst werden wechselseitig wahrgenommen. Jeder ist
eingeladen an den Abenden, sich mit seinen Fähigkeiten und Künsten in die
Gruppe einzubringen.
Inhaltlich gliedert sich der Paarkibbuz
in 3 Phasen. In der ersten geht es darum, sich der eigenen Stärken und Ressourcen
bewusst zu werden und diese dem Partner und den anderen Teilnehmern gegenüber
zu präsentieren. Anschließend werden in einem verhaltenstherapeutischen
Kommunikationstraining (EPL) die Fähigkeiten der verbalen Begegnung geschult,
um danach, im dritten Schritt, Perspektiven für Gemeinsamkeiten als Paar zu
entwickeln.
Grundsätzliches:
Insbesondere zeichnen sich die Seminare
dadurch aus, dass bei allen Angeboten die Kinder der Teilnehmer mitgebracht
werden können und während der Sitzungen von erfahrenen Kinderbetreuern beschäftigt
und beaufsichtigt werden. Dadurch haben die Seminare kein „Inseldasein“,
sondern einen ganz konkreten Bezug zur Alltagsrealität der teilnehmenden Paare.
Im Mittelpunkt steht die/der Einzelne mit dem Verstehen ihrer/seiner mitmenschlichen Beziehungsprobleme.
Möglichkeiten zur Bewältigung und Lösung
werden eingeübt. Bewegungsübungen (eine Art Gymnastik) begleiten die Arbeit, um
insbesondere auch nonverbale partnerschaftliche Fähigkeiten zu entwickeln.
Es besteht kein Gruppenzwang etwas
leisten, sagen oder mitmachen zu müssen – jede und jeder bringt nur soviel oder
wenig ein, wie sie oder er es möchte! Die Beraterin begleitet die
Änderungsbemühungen des Einzelnen und des einzelnen Paares; die Gruppe bietet
dabei einen stützenden und wohlwollenden Rahmen. Gruppendynamische,
konfliktorientierte Verwicklungen sind deshalb fast ausgeschlossen und werden
auch seitens der Leitung keinesfalls inszeniert.
Über
diese Informationen ergibt sich dann in der Regel noch ein ausführliches
Gespräch, in der etwa Ängste, sich fremden Gruppenmitgliedern gegenüber zu
äußern, benannt werden.
In
einem ersten Rückblick nach der
ersten Stunde sprechen nicht wenige Ratsuchende davon, dass sie hoffnungsvoll
sind, da ihnen ein Weg aufgezeigt wurde, ihr Probleme in den Griff zu bekommen.
Sie müssen also nicht ohnmächtig mit ansehen, wie ihre Ehe den Bach runter
geht.
Zur Diagnostik und zur Möglichkeit der Evaluation beantworten sie
die Fragebogen der beratungsbegleitenden Forschung (Klann & Hahlweg 1994).
Durch das Vergleichen der Antworten kommen die Teilnehmer zu Hause schon in
einen Gesprächs- und Klärungsprozess miteinander. In der zweiten Sitzung
schließt sich dann zur weiteren Diagnostik das PIB (Partnerinterview zur Beziehungsgeschichte, die deutsche
Übersetzung des OHI nach John Gottmann, Saßmann 2000) an, das auf Video
aufgezeichnet wird.
Zusammengefasst kann man sagen, dass der Schwerpunkt der
Beratungsarbeit im Rahmen der Partnerschule sich in und mit Gruppen vollzieht.
Insbesondere nach der Teilnahme an Seminaren ist häufig nur noch eine
„Feinjustierung“ notwendig.
13)
Effektivität und Effizienz der Partnerschule
Mithilfe der beratungsbegleitenden Forschung (Klann & Hahlweg
1994) wurde die Effektivität und Effizienz der Partnerschule evaluiert. Dabei
handelte sich um eine prospektive Untersuchung mit drei Messzeitpunkten, zu
Beginn, am Ende der Beratung und ein halbes Jahr nach Abschluss der Beratung.
Im Gegensatz zu retrospektiven Untersuchungen kann diese etwas über die
konkreten Veränderungen aussagen.
13.1 ) Problemliste:
Auswertung auf Itemebene
In
allen, die Binnenbeziehung einer Partnerschaft betreffenden Problemfelder wie
z. B. Sexualität, Zuwendung oder Kommunikation konnten signifikante
Veränderungen erzielt werden.
Tab.
1: Prozentuale Häufigkeiten von nicht
gelösten/unausgesprochenen Konflikten zum Prä-und Postmessungszeitpunkt für 88
Paare sowie Ergebnisse der McNemar-Tests zur Signifikanzprüfung einer
Veränderung
|
|
|
|
|
|
|
|
prä |
post |
McNemar-c2 |
p |
|
Sexualität |
63% |
49% |
10,20 |
* |
|
Zuwendung
des Partners |
63% |
35% |
32,49 |
*** |
|
Kommunikation/gemeinsame
Gespräche |
55% |
31% |
26,33 |
*** |
|
Forderungen
des Partners |
54% |
30% |
28,02 |
*** |
|
Fehlende
Akzeptanz/ Unterstützung des Partners |
50% |
24% |
31,58 |
*** |
|
Persönliche
Gewohnheiten des Partners |
42% |
21% |
17,79 |
*** |
|
Temperament
des Partners |
40% |
27% |
6,89 |
ns. |
|
Freizeitgestaltung |
33% |
21% |
7,55 |
ns. |
|
Haushaltsführung/Wohnung |
33% |
17% |
18,23 |
*** |
|
Vertrauen |
30% |
24% |
2,04 |
ns. |
|
Vorstellungen
über Kindererziehunga |
30% |
19% |
10,32 |
* |
|
Eifersucht |
29% |
21% |
4,45 |
ns. |
|
Gewährung
persönlicher Freiheiten |
28% |
20% |
3,51 |
ns. |
|
Verwandte |
26% |
20% |
2,03 |
ns. |
|
Berufstätigkeit |
24% |
16% |
3,89 |
ns. |
|
Außereheliche
Beziehungen |
23% |
15% |
6,04 |
ns. |
|
Attraktivität |
20% |
19% |
0,34 |
ns. |
|
Freunde
und Bekannte |
17% |
13% |
0,59 |
ns. |
|
Krankheiten/
Behinderungen/psychische Störungen |
17% |
9% |
4,97 |
ns. |
|
Einteilung
des monatlichen Einkommens |
15% |
13% |
0,28 |
ns. |
|
Kinderwunsch/
Familienplanung |
14% |
8% |
---b |
ns. |
|
Umgang
mit Alkohol/ Medikamenten/Drogen |
9% |
5% |
---
b |
ns. |
|
Tätlichkeiten |
4% |
0% |
---
b |
ns. |
|
|
|
|
|
|
Anmerkungen. Die
Freiheitsgrade (df) betrugen jeweils 1.
a wurde nur für Paare mit Kindern berechnet, b da
weniger als 25 Fälle beim Prä-Post-Vergleich die Kategorie gewechselt haben,
berechnet SPSS anhand der Binomialverteilung das Signifikanzniveau, daher
entfällt die Prüfgröße Mc-Nemar-c2.
ns. = nicht
signifikant , * p £
.002 (Bonferoni-Korrektur), *** p £ .000.
Für die 32 Paare, von denen auch Follow up Daten vorlagen, blieben
die Veränderungen auch ein halbes Jahr nach der Beratung stabil. Es gab keine
signifikanten Unterschiede zu den Teilnehmern, von denen nur Prae und Post -Daten vorlagen
13.2) Skalen
zu Ehe, Partnerschaft und Familie - Brechen der Effektstärken
In
den 10 EPF Skalen werden
unterschiedlichste Bereiche jeder Partnerschaft abgefragt. Zum Beispiel die:
Globale
Zufriedenheit mit der Partnerschaft (GZ)
Diese
Variable soll die globale Ehezufriedenheit erfassen, z.B. mit den
Feststellungen wie: „Ich bin ziemlich glücklich verheiratet“, „Selbst wenn ich
mit meinem Partner zusammen bin, fühle ich mich häufig einsam“.
Problemlösung
(PL)
Diese
Variable soll die generelle Effektivität beschreiben, mit der die Partner ihre
Ehekonflikte und Differenzen lösen können. Ferner beschreibt sie, inwieweit aus
kleinen Anlässen heraus ein großer Streit entsteht, - ungeklärte Differenzen
nicht mehr diskutiert werden, - der Partner sehr kritisch und bestrafend ist
und - sehr sensitiv auf Kritik reagiert, z.B. „Wenn wir miteinander streiten,
kommen immer wieder dieselben alten Probleme auf den Tisch“, „Bei Diskussionen
können wir uns ziemlich gut auf die wichtigsten Themen beschränken“.
Beschwerdeliste
Die
Beschwerdeliste fragt nach den gesundheitlichen Belastungen z.B. „Schluckbeschwerden“,
„Kreuz- oder Rückenschmerzen“
Depression
(ADS)
Die
Depressionsskala bestimmt den Grad der Depressivität der letzten sieben Tage
für 20 (für depressive Verstimmungen typische) Symptome.
Lebenszufriedenheit
(FLZ)
Hier
können die Ratsuchenden z.B. verdeutlichen, wie wichtig ihnen das Leben in der
Familie, die Wohnsituation oder die Berufstätigkeit sind und wie zufrieden sie
sich im Moment dort fühlen.
Um
eine zusammenfassende Quantifizierung der Wirksamkeit des Verfahrens
Partnerschule zu ermöglichen, wurden zusätzlich zu Prä-Post-Vergleichen
Intragruppeneffektstärken (IGES) ermittelt. IGES werden anhand der mittleren
Prä-Post-Differenz bestimmt, wobei die gepolte Streuung der Prä- und Postwerte
als Standardisierungsbasis dient.
Die
Berechnung von Effektstärken bietet den Vorteil, dass die Ergebnisse in ein
vergleichbares und standardisiertes Maß überführt werden; dadurch wird die
Voraussetzung dafür geschaffen, die Resultate verschiedener Studien direkt
miteinander vergleichen zu können. Letztlich können Effektstärken als Maß für
die Größe eines Behandlungseffekts verstanden werden.
Nach
Cohen (1988) sind Effektstärken £ .40 als
niedrig und ³ .80 als hoch
zu bewerten; dementsprechend gelten Effektstärken von .41 bis .79 als Effekte
mittlerer Höhe.
Bei
der Interpretation von IGES ist allerdings zu beachten, dass diese systematisch
höher ausfallen als Effektstärken, die, wie von Smith, Glass und Miller (1980) vorgeschlagen, im Vergleich zu einer
Kontrollgruppe berechnet werden (Hartmann
& Herzog 1995). Dies liegt darin begründet, dass IGES auch solche
Veränderungen umfassen, die auf Spontanremission sowie auf statistische und
natürliche Regression zurückzuführen sind.
(N = 32 Paare) Follow-up-Daten (FU) sowie
Prä-Follow-up-Intragruppeneffektstärken (IGES prfu) für Klienten mit Follow-up
|
|
Fr. pr - po |
Mä. pr - po |
Fr. pr - po |
Mä. pr - po |
Fr. pr. - fu |
Mä. pr. - fu |
|
PL
- SW |
.68 |
.51 |
.59 |
.63 |
.70 |
.67 |
|
EPF |
|
|
|
|
|
|
|
GZ |
.46 |
.24 |
.84 |
.50 |
1.00 |
.81 |
|
AK |
.31 |
.20 |
.49 |
.46 |
.62 |
.81 |
|
PL |
.54 |
.35 |
.43 |
.57 |
.81 |
|
|
FZ |
.26 |
.34 |
.66 |
.35 |
.63 |
.54 |
|
FP |
.21 |
.08 |
-.15 |
-.04 |
-.11 |
-.02 |
|
Sex |
.11 |
.33 |
.37 |
.43 |
.48 |
.34 |
|
ZK |
-.04 |
.29 |
.16 |
.22 |
.10 |
.32 |
|
KE |
-.03 |
.06 |
.24 |
.26 |
.21 |
.19 |
|
ADS |
.92 |
.50 |
.81 |
.52 |
.82 |
.43 |
|
BL-SW |
.64 |
.21 |
.57 |
.20 |
.61 |
.15 |
Anmerkungen. Fr. = Frauen; Mä = Männer; PL-SW = Problemliste-Summenwert,
EPF = Fragebogen zur Einschätzung von Partnerschaft und FamilieGZ= „Globale
Zufriedenheit“, AK= „Affektive Kommunikation“, PL= „Problemlösung“, FZ= „gem.
Freizeitgestaltung“, FP= „Finanzplanung“, SZ= „Sexuelle Zufriedenheit“, ZK=
„Zufriedenheit mit den Kindern“, KE= „Kindererziehung“, , ADS-SW = Allgemeine
Depressionsskala-Summenwert, BL-SW = Beschwerdenliste-Summenwert.,
13.3) Die
Veränderung der Lebenszufriedenheit Prä-Post-Zeitraum
Um zu prüfen, ob es gelungen ist, durch die Beratung positive Veränderungen der Lebenszufriedenheit zu bewirken, wurde zunächst eine zweifaktorielle (2x2) multivariate Varianzanalyse (MANOVA) mit den beiden Innersubjektfaktoren Zeit und Geschlecht berechnet. Als abhängige Variablen sind die gewichteten Zufriedenheitswerte für die einzelnen Lebensbereiche sowie der FLZ-Summenscore in die MANOVA einbezogen worden.
Die multivariate Analyse ergab
signifikante Haupteffekte für die Faktoren Zeit (F(1,38) = 3,74, p £ .01) und
Geschlecht (F(1,34) = 3,20, p £ .01), die Interaktion war nicht signifikant. Insgesamt
sprechen diese Ergebnisse für bedeutsame Veränderungen im
Prä-Postmessungszeitraum.
Um die Frage zu klären, für welche der
im FLZ aufgeführten Lebensbereiche im Einzelnen Veränderungen zu verzeichnen
sind, wurden univariate Varianzanalysen angeschlossen (siehe Tabelle 3).
Signifikante Haupteffekte für den Faktor Zeit ergeben sich für die Bereiche
„Freunde/Bekannte“ (F(1,43) = 4,80, p £ .05) „Freizeitgestaltung/Hobbies“ (F(1,41) = 7,30, p £ .01),
„Familienleben/Kinder“ (F(1,43) = 5,62, p £ .05) und „Partnerschaft/Sexualität“ (F(1,43) = 11,80, p £ .001).
Darüber hinaus fällt auch die globale Lebenszufriedenheit, operationalisert durch
den FLZ-Summenwert, zum Postmessungszeitpunkt signifikant höher aus als zu
Beginn der Beratung (F(1,43) = 20,72, p £ .001).
In allen durch den FLZ erfassten
Lebensbereichen, in denen die Klienten zu Beratungsbeginn signifikant
unzufriedener waren als die Norm, konnten bedeutende positive Veränderungen
erzielt werden!
Tab.
3: Mittelwerte (M) und
Standardabweichungen (SD) der gewichteten Zufriedenheits-werte zur Prä- und
Postmessung für die Klienten Partnerschule (N = 44 Paare) sowie Ergebnisse der
univariaten Varianzanalysen
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
prä |
post |
|
Zeit |
Geschlecht |
Geschlecht* |
|
|
M (SD) |
M (SD) |
|
|
|
Zeit |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Freunde Frauen |
7,0 (7,4) |
8,0 (6,6) |
|
F(1,43) =
4,80 |
F(1,43) =
16,82 |
F(1,43)
= 0,12 |
|
Freunde Männer |
2,4 (4,6) |
3,8 (5,6) |
|
p £ .05 |
p £ .001 |
p
= ns. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Freizeit Frauen |
2,4 (4,6) |
4,2 (5,8) |
|
F(1,41) = 7,30 |
F(1,41) = 0,16 |
F(1,41) = 0,44 |
|
Freizeit Männer |
2,4 (4,2) |
3,5 (5,0) |
|
p £ .01 |
p = ns. |
p = ns. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Gesundheit Frauen |
4,8 (6,9) |
6,0 (5,8) |
|
F(1,43)
= 3,08 |
F(1,43)
= 1,74 |
F(1,43)
= 1,03 |
|
Gesundheit Männer |
7,0 (6,4) |
7,7 (6,4) |
|
p = ns. |
p = ns. |
p
= ns. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Einkommen Frauen |
7,5 (3,8) |
7,3 (5,7) |
|
F(1,43) = 0,21 |
F(1,43) = 4,21 |
F(1,43) = 0,00 |
|
Einkommen Männer |
6,2 (5,6) |
5,9 (4,8) |
|
P
= ns. |
p £ .05 |
p
= ns. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Beruf Frauen |
3,3 (5,6) |
4,0 (5,3) |
|
F(1,43) = 0,15 |
F(1,43) = 3,53 |
F(1,43) = 0,44 |
|
Beruf Männer |
5,8 (6,7) |
5,5 (7,4) |
|
p
= ns. |
p = ns. |
p = ns. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Wohnen Frauen |
7,0 (7,0) |
7,7 (6,3) |
|
F(1,43)
= 2,35 |
F(1,43)
= 0,26 |
F(1,43)
= 0,41 |
|
Wohnen Männer |
7,2 (7,3) |
8,7 (5,7) |
|
p = ns. |
p = ns. |
p
= ns. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Familie Frauen |
5,8 (9,8) |
7,9 (8,6) |
|
F(1,43) = 5,62 |
F(1,43) = 0,04 |
F(1,43) = 0,02 |
|
Familie Männer |
6,1 (8,1) |
8,0 (6,4) |
|
p £ .05 |
p = ns. |
p = ns. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Partnerschaft Frauen |
0,8 (7,6) |
5,9 (8,0) |
|
F(1,43) =
11,80 |
F(1,43)
= 1,39 |
F(1,43)
= 2,76 |
|
Partnerschaft Männer |
0,8 (7,6) |
3,5 (7,6) |
|
p £ .001 |
p = ns. |
p = ns. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Summenwert Frauen |
38,5 (26,4) |
52,2 (28,9) |
|
F(1,43) =
20,72 |
F(1,43)
= 0,43 |
F(1,43)
= 0,75 |
|
Summenwert Männer |
38,1 (28,2) |
47,2 (25,9) |
|
p £ .001 |
p = ns. |
p = ns. |
|
|
|
|
|
|
|
|
Anmerkungen.
Signifikante
Ergebnisse sind durch Fettdruck hervorgehoben.
14) Abschließende
Diskussion
Bei
der Auswertung der empirischen Daten zeichnet sich ab, dass durch die in der
Partnerschule realisierte
Vorgehensweise auf längere Sicht Zugewinne - nämlich Beziehungskompetenzen - im
partnerschaftlichen Miteinander erreicht werden können, die in ihrem Ausmaß die
bisherigen Befunde der beratungsbegleitenden Forschung übersteigen. Vor allem
hinsichtlich der allgemeinen Partnerschaftszufriedenheit und der Fähigkeit,
Konflikte und Differenzen konstruktiv zu lösen, sind im Katamnesezeitraum deutliche
positive Weiterentwicklungen der Klienten zu beobachten. Somit scheint die Partnerschule Veränderungen anzuregen, die sich
teilweise erst nach Abschluss der Beratung in vollem Umfang entfalten.
Dies
erscheint sehr plausibel, da dieser Effekt z.B. dadurch bedingt ist, dass sich
viele der Ratsuchenden auch nach den
Gruppenseminaren zu gemeinsamer Freizeitgestaltung, zu Treffen mit den Kindern
und zu intensiven Gesprächen verabreden. Die Partnerschule trägt somit zum Auf-
und Ausbau tragfähiger sozialer Netze bei, die vermutlich in einem größeren
Ausmaß, als dies durch Einzel- bzw. Paarberatungen erreicht werden kann, die
Möglichkeit bieten, das, was in der Beratung z.B. an Problemlöse- und
kommunikativen Kompetenzen erarbeitet wurde, im Alltag „auszuprobieren“ und
einzuüben.
Das
Bedürfnis der Klienten, das, was sie an Miteinander und Solidarität in den
Gruppen erfahren haben, in ihren Alltag zu transportieren, spiegelt sich auch
darin wider, dass im Mai 2000 ehemalige Ratsuchende den gemeinnützigen
Förderverein „Netzwerk Partnerschule e.V.“ gegründet haben. Mittlerweile
gehören mehr als 140 ehemalige und noch aktiv Ratsuchende diesem Netzwerk an.
Einerseits wollen die Initiatoren mit diesem Förderverein finanzielle Mittel
zur Verfügung stellen, so dass z.B. auch Paare und Familien mit nur
eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten an paartherapeutischen Seminaren
teilnehmen können. Andererseits verfolgen die Gründungsmitglieder das Ziel, mit
dem Netzwerk einen Rahmen für gegenseitigen Kontakt und Unterstützung zu
schaffen: Durch die beraterische Arbeit in Gruppen haben sie vermutlich festgestellt, dass jeder von ihnen kompetent
in Fragen von Liebe, Partnerschaft, Ehe, Kindererziehung etc. ist, nur jeder
eben anders und einmalig. Sie haben erfahren, dass, wenn diese Fähigkeiten und
Potentiale zusammenkommen und sich ergänzen, das Ergebnis für alle Beteiligten
gewinnbringend sein kann. Sicherlich ist dieses Motiv nicht ausschließlich
altruistisch zu bewerten, denn durch das aufgebrachte Engagement profitiert
auch jeder Einzelne. So verbinden sich Eigennutz und Gemeinwohlorientierung,
die zwar häufig als Gegensätze verstanden werden, aber letztlich den Kern jeder
Nachbarschaftshilfe und christlicher Gemeindebildung ausmachen.
Gesellschaftspolitisch ist die Verknüpfung dieser beiden Haltungen zentrale
Quelle dessen, was wir heute bürgerschaftliches Engagement nennen. Alle Beteiligten
schöpfen so Mut für ihr Leben, für die Gestaltung und Bewältigung ihres Alltags
und machen quasi „Empowerment“- Erfahrungen. Ausführlich beschrieben wird
dieses Netzwerk in einem aktuell erschienenen Werk über ehrenamtliches
Engagement im kirchlichen Gemeinwesen (Eberts, Hunstig & Bogner 2004).
Abschließend
lässt sich Folgendes resümieren:
Unter
den ganz normalen Alltagsbedingungen einer Beratungsstelle für Ehe und
Familienfragen ist Folgendes möglich:
Ø
Eine klare Zielorientierung für die Arbeit mit
Paaren und Familien.
Ø
Effekte und Effizienz von Paarberatung sind empirisch
überprüfbar und abbildbar.
Ø
Das Miteinander der Partner lässt sich so
verändern, dass sich die Lebenszufriedenheit signifikant zum Positiven hin verändert.
Ø
Die Zufriedenheit mit der Partnerschaft hat eine
zentrale Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung.
Ø
Damit ist Ehe- und Familienberatung für
Gesellschaft so Not – wendig, wie ein Krankenhaus und eine Polizeistation !
Literatur
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Rudolf Sanders, Dr.
Phil., Dipl.-Pädagoge, Leiter der Kath. Ehe-, Familien- und
Lebensberatungsstelle Hagen - Iserlohn, Lehr- und Forschungstätigkeit im
Bereich Eheberatung und Paartherapie, Herausgeber der Fachzeitschrift Beratung Aktuell Junfermann Verlag
Paderborn. Verheiratet, Vater von
drei Kindern.
Alte Str. 24e, D-58313 Herdecke, Internet: www.partnerschule.de E-Mail: Dr.Sanders@partnerschule.de